Altstadt-Verein sagt Biedermeier-Christmarkt 2016 wegen „Mobbing“ ab  /  Vorwürfe gegen Trumpf

Werben jetzt führungslos: „Bessere Atmosphäre nach den Wahlen“

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Als Moderatorin Madeleine Wehle im Dezember 2014 in Bild und Ton für den Werbener Biedermeier-Christmarkt warb, lockte das Spektakel noch mehr Gäste in die Kleinstadt. Daraufhin wurden Brandsicherheitswachen angeordnet, für die der AWA als Veranstalter „Kosten im vierstelligen Bereich“ zahlen müsse, wie Marktvogt und AWA-Mitglied Curt Pomp (r.) beklagt.

Werben. „Es macht uns wütend, wenn einfache Anfragen an den Verbandsgemeinde-Bürgermeister nicht einmal beantwortet werden“, erhebt Werbens Biedermeiermarkt-Gründer Curt Pomp schwere Vorwürfe gegen Eike Trumpf.

Mit einer hauchdünnen Mehrheit hat der 67 Mitglieder aus halb Deutschland zählende Verein „Arbeitskreis Werbener Altstadt“ (AWA) nun die Absage des Biedermeier-Christmarkts beschlossen – es wäre das 13. Adventsspektakel im Stile der guten, alten Zeit.

Aktuell aber rumort es wieder kräftig in der weltkleinsten Hansestadt. Sie hat am Dienstagabend im Stadtrat einen weiteren Paukenschlag erfahren. Denn Vize-Bürgermeister Bernd Schulze warf nach dem Rücktritt von Amtsinhaber Jochen Hufschmidt vor sechs Wochen seinen Stellvertreter-Posten nun auch hin. Und erneut ist von Respektlosigkeit und verletzenden verbalen Attacken die Rede. Damit ist das Rathaus in der Kleinstadt an der Elbe führungslos. Spätestens in der nächsten Sitzung müsste der Stadtrat einen neuen Vize wählen, der bis zur Neuwahl am 23. Oktober die Geschäfte führt.

Auf den Urnengang in 68 Tagen legt auch der AWA große Erwartungen. „Wir hoffen und wünschen, dass nach den Bürgermeisterwahlen in der Verbandsgemeinde und in der Stadt Werben wieder eine bessere Atmosphäre für ehrenamtliche Arbeit einzieht“, lautet der letzte Satz einer drei DIN A 4-Seiten langen Presseerklärung, die der Verein am Mittwoch veröffentlicht hat. Darin stellt Vorsitzender Werner Eifrig klar, dass sich der AWA nicht erpressen lasse, „sein erwiesenermaßen erfolgreiches Marktkonzept aufzuweichen, damit einzelne Leute ihren kurzfristigen privaten Gewinn erhöhen“. Eifrig führt den Verein seit sechs Jahren. Er hatte sein Amt nach heftigem Streit und persönlichen Anfeindungen in den eigenen Reihen angetreten. Der AWA-Chef weiter: „Die Situation im Stadtrat und das andauernde Mobbing gegen den zurückgetretenen Bürgermeister haben uns gezeigt, dass mit einzelnen Personen zurzeit keine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich ist.“

Zum Konflikt um das erfolgreiche Marktspektakel kam es im vergangenen Dezember, als sich der Mühlenverein Werben erstmals in das Treiben einbrachte. Daraufhin sah sich Vereins-Vorsitzender Michael Schnelle vom AWA mit dem Vorwurf konfrontiert, er halte sich nicht an die Spielregeln. Diverse Gespräche im Ordnungsamt der Verbandsgemeinde folgten und scheiterten, weil es zu keiner Einigung kam.

Dabei scheint inzwischen sogar „Big Apple“, die US-amerikanische Stadt der Superlative, hungrig auf Werben zu sein. „Wir haben eine Anfrage vom New Yorker Büro der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT), die den Biedermeier-Christmarkt amerikanischen Reisejournalisten vorstellen wollte“, erklärt Pomp. Und er macht Hoffnung auf das 13. Spektakel – im Dezember 2017.

Von Antje Mahrhold

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