Paritätischer und Behindertenbeauftragte laden zur Diskussionsrunde: Seehausen im Fokus

Der Traum von der Barrierefreiheit

Seehausen. In Sachen Barrierefreiheit ist in Seehausen in den vergangenen Jahren zwar einiges passiert, doch es gibt in verschiedenen Bereichen immer noch Handlungsbedarf.

Anlässlich des europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung hatten der Paritätische um Bernd Zürcher und Birgit Hartmann, Behindertenbeauftragte im Landkreis Stendal, zu einer Diskussionsrunde ins Foyer der Wischelandhalle eingeladen. Unterstützung kam dabei von Studentinnen der Hochschule Magdeburg-Stendal, die im Vorfeld sich mit Behinderten unterhalten haben und deren Eindrücke in einem Film festhielten.

Dr. Michael Zander, der an der besagten Hochschule Rehabilitationspsychologie unterrichtet, meinte, dass Barrierefreiheit allen Menschen nütze. Ältere Menschen würden davon ebenso profitieren wie Mütter mit Kinderwagen. Der Akademiker wünscht sich ein großes öffentliches Investitionsprogramm, um zum Ziel zu gelangen. Nicht zuletzt würde dieses auch Arbeitsplätze schaffen.

Doch noch hat die Hansestadt Seehausen mit Barrieren zu kämpfen. Eine davon ist der Bahnhof. Bisher sind die Bahnsteige nur durch einen Tunnel erreichbar und die Treppen somit für Rollstuhlfahrer ein unüberwindbares Hindernis. Stadtratsmitglied Willi Hamann favorisiert einen Fußgängerüberweg mit Schrankenanlage wie an der Arendseer Straße. „Doch da muss die Bahn handeln, wir als Stadt können das nicht.“ Etwas schneller könnte die Absenkung von Borden auf dem Weg zum Bahnhof geschehen. Das wäre eine Aufgabe für die Stadtarbeiter, schlägt Hamann vor. Schwer passierbar sei für Rollstuhlfahrer und Rollatornutzer der kopfsteingepflasterte Kirchplatz in Seehausen, weiß Michael Jambor, der vorschlägt, dass dort eine Fläche so hergerichtet werde, dass Rollstuhlfahrer diese nutzen können. Zudem sei der Weg in die Kirche auch alles andere als barrierefrei.

Mangelnde Leitsysteme auf Bahnhöfen in Seehausen und Stendal prangert Jette Förster an, die erblindet ist. Sie spricht hinsichtlich des Umgangs mit behinderten Menschen von einer „unsensibilisierten Gesellschaft“ und wünscht sich ein „offenes Miteinander“. Kritik gab es zudem an den zu wenigen Behindertenparkplätzen in Seehausen und an den zu engen Parktaschen. „Rollstuhlfahrer ins und aus dem Auto zu befördern, ist nahezu unmöglich“, meinte ein Anwesender in der Diskussionsrunde.

Von Thomas Westermann

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