Ara, Gecko und Python: Mehr als 200 Ostaltmärker halten Gerd Flechner in Atem

Tierfreunde mögen’s exotisch

Ara, Baumgecko, Vogelspinne, Python, Landschildkröte und Alexandersittich: Die Spannbreite exotischer Tiere ist groß. Für etliche Tierarten, die ursprünglich ganz woanders beheimatet sind, braucht es eine besondere Halteerlaubnis. Fotos: Hertzfeld (2), Schaffer (1), dpa (5)

Seehausen. Gerd Flechner und Kollegen haben auf exotische Tiere ein ganz besonderes Auge. So gibt es immer wieder einmal Probleme mit Schlangen.

„Zuletzt war 2014 eine Königspython aus ihrem Terrarium in Tangerhütte entwichen und sorgte für Aufregung“, erinnert sich der Mitarbeiter der Stendaler Naturschutzbehörde auf Anfrage der AZ noch ganz genau. Der Landkreis kontrolliert nicht zuletzt die Halter von Wirbeltieren, die nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen streng geschützt sind. „Das betrifft auch ,gefährliche’ Exoten wie Schlangen, Vogelspinnen und andere. “ Registriert werden die Tiere über das Cites-Büro des Landesamtes für Umweltschutz in Steckby (Zerbst).

Aktuell sind 34 Menschen aufgeführt, die Geckos, Griechische Landschildkröten oder andere geschützte Schildkrötenarten halten beziehungsweise züchten. Flechner weiß zudem von zwei Ostaltmärkern, die sich der Vogelspinne verschrieben haben. Sechs Leute halten mindestens eine Königspython oder ähnliche züngelnde Kaliber. Ein Großteil der Daten aus Steckby und Stendal betrifft Papageienfreunde. So werden etwa Graupapagei, Gelbhaubenpapagei, Kaiseramazone, Diademlori und Goldsittich im Landkreis gehalten. Beliebt seien auch Finkenarten und weitere heimische Singvögel. Insgesamt sind 181 Halter und Züchter geschützter Vögel registriert.

Uwe Weingarts hält Alexandersittiche, die ursprünglich aus Asien stammen. „Da ist ein wildfarbenes Exemplar“, erklärt der Seehäuser der AZ und zeigt in der Voliere auf ein grünes Tier. Inzwischen gibt es den Edelsittich auch in vielen anderen Farben. Der Wischestädter hat die nötige Haltergenehmigung, eine spezielle Erlaubnis brauche es für diese Papageien nicht. Dass vor allem große und streng geschützte Arten immer wieder illegal gehandelt werden, verurteilt Weingart. „Sehr seltene Arten müssen aber mittlerweile in Menschenhand gezüchtet werden, sonst wären sie längst ausgestorben.“ Der Seehäuser züchtet unter anderem auch noch Zierenten und Fasane.

Flechners Arbeit ist alles andere als ein reiner Bürojob. Er ist viel unterwegs. Sind die Lebens- und Ruhestätten geschützter Arten in östlicher Altmark und Elbe-Havel-Winkel gefährdet, muss der Mitarbeiter des Umweltamtes ran. Oft sind Bauarbeiten der Auslöser. Dann geht es um grundsätzliche Genehmigungen, Beschränkungen der Bauzeiten sowie Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Der Landkreis ist entsprechend dem Bundesnaturschutzgesetz für Elbbiber, Feldhamster, Dohle, Mauersegler, Mehl- und Rauchschwalbe, Hornisse, Wildbiene und hügelbauende Ameise zuständig.

Naturschützer reden immer wieder von Roten Listen. Flechner: „Das sind Verzeichnisse gefährdeter Tierarten, in denen der Gefährdungsstatus für einen bestimmten Bezugsraum dargestellt ist. Sie stellen jedoch keinen rechtlichen Schutz dar.“ Gegeben ist dieser hingegen bei den Arten, die in der Bundesartenschutzverordnung aufgeführt sind. In der Regel finden sich die Arten der Roten Listen aber auch in Naturschutzgesetzen wieder. Dann reden die Naturschutzbehörden bei allen geplanten Bauprojekten ein wichtiges Wort mit und tragen dafür Sorge, dass den geschützten Tieren keine Nachteile entstehen.

Für besonders und streng geschützte Exoten gibt es ganz konkrete Regeln. Es gilt generell ein Besitz- und Vermarktungsverbot. „Allerdings existieren im Artenschutz vielerlei Ausnahmen. Zum Beispiel für Tiere, die rechtmäßig in der Europäischen Gemeinschaft gezüchtet beziehungsweise rechtmäßig eingeführt worden sind“, erläutert Flechner auf Nachfrage der AZ weiter. Nicht zuletzt der Landkreis kontrolliert und überwacht die Halter von Schlange, Spinne & Co.

Von Marco Hertzfeld

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