Hansestadt kämpft mit illegalem Unrat am Straßenrand und Abfalltourismus – Körbe reduziert

„Stopfen Hausmüll dreist hinein“

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Eine Stadt und der Müll: Elektroschrott am Straßenrand, illegale Entsorgung in der früheren Konservenfabrik und Körbe, die nicht immer so gut sortiert erscheinen wie hier am Rathaus.

Seehausen. „Wir haben ein Problem mit dem Müll, und das sogar in mehreren Bereichen“, redet Detlef Neumann nicht lang um den heißen Brei herum.

Seehausen sei keine pottdreckige Stadt, sicherlich, doch mitunter präsentiere es sich von einer ziemlich hässlichen Seite, was auch Touristen und anderen Besuchern negativ auffallen dürfte. „Immer wieder lassen Bürger ihren Abfall einfach an öffentlichen Plätzen liegen nach dem Motto: Andere werden ihn ja schon wegräumen, irgendwann und irgendwie. Oder noch schlimmer: Sie stopfen ihren eigenen Hausmüll dreist in die städtischen Abfallkörbe hinein, die dafür bekanntlich nicht gedacht sind. Wir alle, also die Allgemeinheit, bezahlen dann die zusätzliche Entsorgung“, schimpft der Bürgermeister.

Als der Mülltourismus vor einiger Zeit überhand zu nehmen drohte, zogen Politik und Verwaltung die Reißleine. Einige Behälter wurden abgebaut, gut 30 hängen nun noch in der Kernstadt. Diese würden vollkommen ausreichen. Kaputte Exemplare werden ersetzt, mehr passiere nicht. Halte sich dann noch jeder an die Spielregeln, müsste sich niemand mehr großartig über Abfall auf Straßen und Plätzen ärgern. „Das Ordnungsamt hat selbstverständlich ein Auge auf alles und kontrolliert, was kontrollierbar ist“, betont Neumann gegenüber der AZ. Noch sei er alles andere als zufrieden und werde an dem Thema dranbleiben und wenn nötig einen härteren Kurs fahren lassen.

Im Blick hat der Bürgermeister auch die wilden Müllkippen auf leer stehenden Grundstücken. Natürlich seien die Ordnungshüter auch da in der Spur. „Sie kontrollieren, suchen den Kontakt zum Eigentümer, wenn der denn greifbar ist, ermahnen ...“ Da gerade im Stadtzentrum noch etliche Häuser ungenutzt sind, bilden sich zudem fast zwangsläufig Schmuddelecken. Liegen anfangs vielleicht nur ein paar Flaschen und Papier an der Stelle, schmeißen andere schnell weiteren Abfall wie selbstverständlich dazu. In dem Maße, wie neues Leben in verwaiste Quartiere einziehe, würden diese Halden verschwinden, glaubt Neumann.

Dass Abfall regelmäßig mitten in der Natur landet, dafür hat der Bürgermeister nun überhaupt kein Verständnis. Ein Beispiel: Seit einigen Tagen liegt ein halber Hausstand direkt an der Osterburger Chaussee. „Was sich außerhalb unserer Grenzen befindet, darum kümmern sich Landkreis und Land. Doch letztendlich zahlt auch diese Entsorgung wieder jeder Seehäuser über Umlage, Gebühr, Steuern oder sonst was mit. Es trifft finanziell jeden, von der Gefahr für die Umwelt, die von Müll ausgehen kann, einmal ganz abgesehen.“

Von Marco Hertzfeld

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