Werbener Vereins-Streit um Biedermeier-Markt spitzt sich zu

„Sind völlig überzogene Auflagen“

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Weiter unter Dampf bleibt der Streit um die Zukunft des Werbener Publikumsmagneten. Ob die Zeitreise in den Biedermeier in der Hansestadt bleibt, ist heute Abend Thema im Rathaus. 

Werben. "Wir erwarten von den Verantwortlichen eine Korrektur ihres Fehlverhaltens und künftig eine deutlich verbesserte, sachorientierte Zusammenarbeit." Scharfe Geschütze hat der Chef des Vereins „Arbeitskreis Werbener Altstadt“ (AWA) im Vorfeld der heutigen Sitzung des Stadtrats aufgefahren.

Anlass für die Empörung von Werner Eifrig ist ein neuer Antrag der CDU-Fraktion, wonach künftig nicht mehr wie bislang der AWA, sondern der Mühlenverein mit Werbens CDU-Fraktionschef Michael Schnelle als Vereinschef für die Ausrichtung der Biedermeier-Christmärkte verantwortlich zeichnen will.

Die Vorlage mit der Nummer 70/094/16 ist vom Ordnungsamt der Verbandsgemeinde verfasst worden. Sie empfiehlt den Abschluss einer Nutzungsvereinbarung, verweist auf die Gewerbeordnung und auf das Verwaltungsverfahrensgesetz.

Der Streit zwischen beiden Vereinen geht auf den Auftritt von Schnelles Verein beim Biedermeier-Markt im vergangenen Dezember zurück. AWA-Verantwortliche fühlten sich übergangen, worauf der Mühlenverein die Verwaltung einschaltete und es zu einer Reihe von erfolglosen Gesprächen im Ordnungsamt kam. Anfang August sagte der AWA den Markt für dieses Jahr ab. Danach beantragte Werbens CDU-Fraktion noch im selben Monat, dass die Zukunft des Markts auf die Tagesordnung des Stadtrat gesetzt wird – was heute der Fall sein wird. Zwischenzeitlich kam es zum Doppel-Rücktritt von Bürgermeister Jochen Hufschmidt und dessen Vize Bernd Schulze. In der Sitzung am Abend hat Übergangs-Stadtoberhaupt und Bürgermeister-Kandidat Wolfgang Trösken die Leitung inne.

Auch mit Arneburg-Goldbecks Ordnungsamtsleiter geht Eifrig hart ins Gericht. Karsten Rottstädt habe den Mühlenverein bevorzugt, als er seine Entscheidung damit begründete, dass der Mühlenverein seinen Antrag auf Marktfestsetzung „früher eingereicht hätte“. Ein Verwaltungsjurist, den der AWA nun zurate gezogen habe, habe nun aber erklärt, es gebe keinen Grundsatz, nach dem der zeitlich zuerst eingegangene Antrag den nachrangig eingegangenen Antrag „aussticht“. Stattdessen müsse eine „sachgerechte Auswahlentscheidung“ getroffen werden mit dem Ziel, dem qualifiziertesten Bewerber im öffentlichen Interesse den Zuschlag zu erteilen.

„Anwaltskosten von 500 Euro hätten vermieden werden können, wenn sich die Verwaltung sachgerecht verhalten hätte“, rügt Eifrig, der beim traditionellen Werbener Markttreiben bislang in der Rolle des Marktvogts geglänzt hat. Und er bringt „völlig überzogene Auflagen“ für Brandsicherheitswachen beim Biedermeier-Sommer 2016 ins Spiel, für die die Verbandsgemeinde Gebührenbescheide verschickt habe.

72 Euro pro Stunde seien demnach für vier Feuerwehrmänner sowie 60 Euro pro Stunde für ein Löschfahrzeug zu zahlen. Dabei habe es beim Markt lediglich drei Feuerstellen zum Grillen und ein Schmiedefeuer gegeben, argumentiert der AWA-Chef. „Gemäß Sicherheitskonzept wurden ausreichend Feuerlöscher bereitgehalten. Und das Feuerwehrhaus der Feuerwehr Werben befindet sich lediglich 800 Meter entfernt“, fügt er hinzu.

Anders als von der Verwaltung dargestellt verfolge der AWA keine wirtschaftlichen Interessen und habe auch keine Gewinnerzielungsabsicht. Alle Einnahmen kämen ausschließlich gemeinnützigen Zwecken zugute, betont der Vorsitzende. „Einigkeit besteht unter den AWA-Mitgliedern, dass diese keinen Biedermeier-Christmarkt unter Regie des Mühlenvereins organisieren“, sagt Eifrig. Trotz der Querelen sei ein Werbener Weihnachtsmarkt 2017 möglich – aber nur mit Unterstützung der Hansestadt und der Verbandsgemeinde.

Von Antje Mahrhold

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