Lalita: Wahl-Leipzigerin stellt explosiven Debüt-Roman in Kunstscheune Lückstedt vor

Vom schweren Weg ins Leben zurück

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Wo Soldaten für den Ernstfall trainieren, wie zum Beispiel in der Colbitz-Letzlinger Heide, sind immer wieder auch Statisten für Militärübungen gefragt. Das ist der Stoff, der Isabelle Lehn bewegt hat.

Lückstedt. Mit der Macht der Worte widmet sich Autorin Isabelle Lehn den politischen Konflikten unserer Zeit – und so sticht der Auftritt der 37-Jährigen aus dem großen Reigen der Kultur im Auftrag der Landesliteraturtage (Lalita) thematisch besonders hervor.

Die gebürtige Bonnerin präsentiert ihren in diesem Jahr erschienenen Debüt-Roman „Binde zwei Vögel zusammen“ am 24. September in Hedermanns Kulturscheune in Lückstedt.

So wird es ziemlich explosive Kost sein, die die Wahl-Leipzigerin dann an dem Abend ihrem ostaltmärkischen Publikum auftischt. Denn ihr Protagonist Albert Jacobi ist so etwas wie ein Kriegsschauspieler und somit ein bezahlter Darsteller, dessen Aufgabe es ist, der Feind zu sein – und zwar als Statist in einem amerikanischen Trainingscamp in der bayrischen Oberpfalz für Soldaten, die auf ihren Einsatz in Afghanistan vorbereitet werden. Dabei schreibt Lehn, die Rhetorik, Ethnologie und Erziehungswissenschaft in Tübingen und Leicester studiert hat, nicht krampfhaft etwas über Krieg und Flüchtlinge. Die Autorin hält mit dem Bild des Lagers und dessen wahrhaft grotesken Konstellationen („Platzpatronen“, „Rolle spielen“, „Supervisor“) ihren Roman wie von selbst in Gang – und dabei doch heftig am Brodeln.

Der Leser erfährt im Verlauf der 192 Seiten, warum sich Albert als Statist für Militärübungen verdient hat – er brauchte das Geld. So geriet der junge Mann ins Trainingslager, das ein afghanisches Dorf simulieren soll. Und schlüpft in die Rolle von Kaffeehausbesitzer Aladdin. Dafür wird er sechs Wochen so gut wie abgeschnitten sein von der Außenwelt.

Aber diese eineinhalb Monate haben ihren hohen Preis. Albert findet nach seiner Rückkehr nicht so recht zurück – denn seine Identitäten vermischen sich. Albert beginnt, sein Alter-Ego Aladdin im wahren Leben zu sehen – oder mutiert in schizophrenen Momenten selbst zu Aladdin.

Die Autorin stellte ihr Werk dieses Jahr bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur vor. Sie hatte es unter die sieben Autoren der Endauswahl für den Bachmann-Preis geschafft, dann aber keinen Preis gewonnen. Zusammen mit Lehn auf der Literaturbühne bei Hedermanns in Lückstedt wird auch ein altmärkisches Literaturtalent stehen. Sascha Kokot liest Gedichte aus seinem Lyrik-Debüt „Rodung“. Das Duo stellt sich der Zuhörerschaft unter dem eher botanisch klingenden Programmtitel „Hinter den Gärten – vom Fremden in der Heimat“ vor. Beginn ist um 19 Uhr.

Von Antje Mahrhold

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