Vier Stopps an der B 189: Müllsünden auch bei leerer Tonne / Pflege kostet fast 100 000 Euro

Rastplatz nicht immer appetitlich

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Vor allem Berufskraftfahrer, Pendler und Touristen nutzen die Rastpunkte nahe Seehausen und Osterburg. Der Müll landet gar nicht so selten direkt am Fahrzeug und nicht in einer der Tonnen. Bisweilen finden die Mitarbeiter der Straßenmeisterei auch alte Reifen und anderen illegal entsorgten Abfall. Die Toiletten werden regelmäßig gereinigt, mitunter auch gleich komplett ausgetauscht.

Seehausen. 9 Uhr, Frühstückspause. Peter Theberath beißt in seine Stulle, während Pkw und Lkw an ihm vorbeirauschen.

Als der Stendaler am Rastpunkt nahe Seehausen Papier und Plastik am Boden liegen sieht, schüttelt er den Kopf und schimpft: „Der Behälter ist halbleer, da passt doch noch etwas rein. Unglaublich, manche Zeitgenossen schaffen selbst die zwei, drei Schritte zur Mülltonne nicht. “ Den Appetit lässt sich der Fahrer einer Wäscherei dadurch zwar nicht verderben, aber eine Sauerei sei das schon. „Ich bin regelmäßig mit dem Fahrzeug unterwegs, so oder noch schlimmer sieht es überall entlang der B 189 aus. “ Den Reinigungsleuten will er dabei noch nicht einmal einen Vorwurf machen, es seien oftmals die Nutzer der Rastpunkte, die nur an sich und nicht an die nach ihnen Kommenden denken würden. „Schauen Sie dort! Ein alter Reifen auf dem Rasen, der liegt aber wahrscheinlich schon länger da. “.

Für die Landesstraßenbaubehörde heißen solche Rastpunkte schlicht Parkplatz. Im Beritt der zuständigen Straßenmeisterei Osterburg befinden sich vier dieser Raststellen entlang der B 189, eine zwischen der Rochauer Kreuzung und Ziegenhagen, zwei beidseitig in Höhe Seehausen, eine bei Losenrade vor der Elbebrücke und eine an der B 107. „Die Reinigung erfolgt immer montags und freitags; im Rahmen des Winterdienstes gegebenenfalls auch mehrfach täglich“, so Peter Mennicke, Sprecher des Verkehrsministeriums, auf AZ-Anfrage. Die Tonnen werden geleert und neue Müllsäcke eingebracht, Tische und Bänke abgewischt. Bei fortschreitender Vegetation wird das Gras gemäht, werden Büsche und Bäume beschnitten sowie die Flächen vom Müll befreit und gekehrt. Mennicke: „In den zurückliegenden Jahren gab es nicht eine einzige Beschwerde.“

An Bundesstraßen seien Parkplätze wie diese nicht zwingend vorgeschrieben. Wer einen Stopp einlegt, der kann in der Regel einfache Bänke und Tische nutzen, viel mehr ist dort nicht vorhanden. „Eine Vorschrift, wann auf einem Parkplatz eine Toilette erforderlich ist, gibt es meines Wissens nicht. Auf unseren Parkplätzen stehen jedenfalls Miettoiletten, pro Parkplatz eine, zur Verfügung“, erläutert Mennicke weiter. Die Toiletten werden wöchentlich und in den Sommermonaten zweimal in der Woche gereinigt. Zusätzliche Parkplätze an der B 189 seien momentan nicht geplant. In Sachsen-Anhalt dürfen übrigens an diesen Rastpunkten keine Kioske oder Ähnliches betrieben werden.

Der Müll landet zunächst in der Straßenmeisterei, wird dort in Containern gesammelt, die dann von einem Entsorgungsunternehmen abgeholt und in eine Müllverbrennungsanlage gebracht werden. Wie viel Abfall an den Rastpunkten anfällt, wird nicht erfasst. Der Einsatz des Personals, Material und Transport kosten jährlich insgesamt rund 95 000 Euro. „Hinzu kommen die Ausgaben für Müllentsorgung und Toilettenpacht in Höhe von etwa 3000 Euro“, rechnet der Ministeriumssprecher weiter. Mit ausgesetzten Hunden und anderen Tieren in misslicher Lage hatten zumindest die Mitarbeiter der Landesbehörde im Bereich Seehausen und Osterburg bislang nichts zu tun. Das muss allerdings nicht heißen, dass es diese auch dort nicht immer wieder einmal gibt.

Von Marco Hertzfeld

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