Bürger aus Aulosen empört über Verbreitung des Eichenprozessionsspinners / Gedenkstätte Stresow befallen

Kloth: „Auf den Tisch des Innenministers“

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Durch die Art und Weise, wie sich die Raupen fortbegewegen, bekam die Gattung „Thaumetopoea processionea“ das Wort „Prozession“ in den Namen.

Seehausen/Stresow. Eine Raupe – der Eichenprozessionsspinner – sorgt für Aufsehen im Norden des Landkreises.

„Ich habe große Lust, einen durchsichtigen Behälter mit ein paar Hundert dieser Viecher in Magdeburg auf den Tisch des Innenministers zu stellen“, plädiert Rüdiger Kloth sehr direkt dafür, die Lösung des Problems auf Landesebene anzusetzen. Und weiter: „In den letzten Jahren wurde mit sogenannten Bekämpfungsaktionen in Größenordnungen doch nur Geld verbrannt, ohne dass das Problem nur annähernd in den Griff bekommen wird und die Kommunen lässt man dabei im Regen stehen. “.

Auf dem Gebiet des ehemaligen Dorfes Stresow bei Aulosen, welches der innerdeutschen Teilung zum Opfer fiel, befindet sich heute eine Gedenkstätte, außerdem ein kleiner Grenzlehrpfad. Dort entdeckten Radtouristen die haarigen Schädlinge, die dort nicht nur die Bäume umringen, sondern auch auf den Tischen und Bänken der Radlerrast prozessieren. Da sie in dieser Formation unterwegs sind und vor allem die Baumart „Eiche“ zum Fressen gern haben, ist der „Thaumetopoea processionea“ besser bekannt als Eichenprozessionsspinner.

Die Radler machten den Aulosener Bürger Rüdiger Kloth auf das Problem aufmerksam, welcher sich selbst auf den Weg und sich vor Ort ein Bild von den „katatrophalen Zuständen“ machte.

Fakt ist, dass die Schädlinge für Menschen und Tiere besonders jetzt gefährlich werden können, da die Haare des Spinners sich im dritten Larvenstadium ausbilden, welches im Mai beginnt und im Juni endet. Werden diese Haare berührt, lösen sie toxische, giftige Reaktionen aus, die von Hautrötung, über Asthma bishin zur Bindehautentzündung reichen können. Das Problem: Die Brennhaare der Raupe brechen leicht und werden bei günstiger Witterung durch Luftströmungen über weite Strecken getragen. Die alten Larvenhüllen bleiben nach der Häutung in den „Nestern“, deshalb ist die Konzentration an Brennhaaren oft sehr hoch. Alte Gespinstnester, ob am Baum haftend oder am Boden liegend, sind eine anhaltende Gefahrenquelle.

Kloth sieht über die gesundheitlichen Folgen hinaus, einen Imageschaden für die Region und vor allem für die Radwanderwege entlang des Grünen Bandes und der Elbe, über die Landesgrenzen hinaus. Zumal die Eichenbestände stark gefährdet seien.

Für seinen Bereich kann Thomas Schroeder, Revierförster im Bereich Seehausen, Entwarnung geben. Die rund 2800 Hektar Wald zwischen Geestgottberg und Behrend sowie Thielbeer und Werben seien „glücklicherweise nicht betroffen“. In der Verbandsgemeinde Seehausen wurden in diesem Jahr bereits einzelne Baumreihen gruppenweise in kommunaler Nähe behandelt, machte Schroeder deutlich. Das zuständige Ordnungsamt war für genauere Informationen zu den Einsatzgebieten gestern nicht zu erreichen.

Verantwortlich für die Bekämpfungsmaßnahmen gegen die Raupen des Eichenprozessionsspinners ist der Eigentümer der Flächen, informiert der Landkreis Stendal. Eine gesetzliche Verpflichtung den Schädling zu bekämpfen, bestehe in Sachsen-Anhalt und dem Landkreis Stendal nicht. Letzterer übernehme bei der Gefahrenabwehr die Bekämpfung aus der Luft, die mit Hilfe eines Hubschraubers durchgeführt wird. Die Bekämpfung von unten wird von den Einheits- und Verbandsgemeinden angegangen. Für die Organisation sind die Ordnungsämtern zuständig, die auch als Ansprechpartner für Bürger und Grundstücksbesitzer fungieren. Spezialfirmen übernehmen dann.

Wenn bekämpft wird, dann dort, wo Menschen oft anwesend sind. Das gelte zum Beispiel auch für Bundesstraßen, deren Träger das Land Sachsen-Anhalt ist. „Hierbei ist zu beachten, dass das Land Sachsen-Anhalt in den beiden vergangen Jahren seinen finanziellen Anteil an der Prozessionsspinnerbekämpfung deutlich reduziert hat. Eine flächenmäßige Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners ist hierdurch ebenfalls unmöglich“, so der Landkreis.

Von Alexander Postolache

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