Experten untersuchen Proben von 37 privat genutzten Brunnen in und um Seehausen / Neue Düngeverordnung gefordert

Hohe Nitratwerte belasten das Wasser

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Harald Gülzow nahm die Proben in Seehausen entgegen. Das Ergebnis der Untersuchungen ist erschreckend.

Seehausen. Viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser hat der VSR-Gewässerschutz bei den Brunnenwasserproben festgestellt, die bei Informationsveranstaltungen am 1. Juni in Seehausen abgegeben wurden.

In jeder fünften untersuchten Probe lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. Insgesamt wurden bei der Untersuchung das Wasser aus 37 privat genutzter Brunnen aus dem Raum Seehausen/Stendal analysiert. Gewässerexperte Harald Gülzow warnt vor einer weiteren Überdüngung der landwirtschaftlichen Böden. Es komme dadurch zu einer unnötig hohen Nitratauswaschung ins Grundwasser, weiß der Diplom-Physiker, der in der Wischestadt die Proben entgegennahm.

Die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz fanden bei der Untersuchungen 136 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen im Seehäuser Ortsteil Schönberg. Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer auch in Uchtenhagen mit 61 Milligramm pro Liter (mg/l), in Seehausen mit 111 mg/l, in Vielbaum mit 67 mg/l, in Beuster mit 58 mg/l und in Bömenzien mit 65 mg/l fest. Das Wasser sei wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet, so Gülzow. Wichtig sei, dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt werde. Es bestehe die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen komme. Diese können zum Fischsterben führen. Beim Bewässern mit nitratbelastetem Grundwasser müsse man bei der Düngung bedenken, dass es durch das Gießwasser zu einer zusätzlichen Nitratzufuhr komme.

Gülzow fordert ein Umdenken: „Die Bundesregierung sah sich bisher aufgrund des Drucks von Seiten der landwirtschaftlichen Lobby nicht in der Lage, in den Betrieben geringere Stickstoffüberschüsse durchzusetzen. Gülle aus Massentierhaltungen, Gärreste aus Biogasanlagen und riesige Mengen an Mineraldünger dürfen damit weiter in viel größeren Mengen als die Pflanzen aufnehmen können von den landwirtschaftlichen Betrieben über die Ackerflächen verteilt werden.“ Der Fachmann hofft, dass „die Klage der EU-Kommission dazu führen wird, eine Düngeverordnung zu erstellen, die nachhaltig zum Schutz des Grundwassers und der Oberflächengewässer führt“. Ansonsten sei der Bürger der Verlierer, fügt er hinzu.

Von Thomas Westermann

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