Broschüre über Seehäuser Turmwächter liegt druckfrisch vor

Hoch oben Radio Luxemburg gelauscht

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Die Broschüre über die Türme von St. Petri und deren Wächter ist seit dieser Woche druckfrisch erhältlich.

Seehausen. Die einstige Türmerwohnung will der Verein der Freunde und Förderer der Kirche St. Petri zu Seehausen als touristischen Anziehungspunkt herrichten. Unterstützung diesbezüglich soll über das Leader-Förderprogramm kommen.

Doch mit der Umsetzung wird es noch dauern, da die Förderer nicht den erforderlichen finanziellen Eigenmittelanteil aufbringen können.

Schneller hingegen ging es mit der Erstellung der rund 70-seitigen Broschüre „Die Türme und deren Wächter – St.-Petri-Kirche in Seehausen“. Seit dieser Woche liegt das Werk druckfrisch vor und ist im Gotteshaus auf dem Kirchplatz und in der Stadtinformation an der Arendseer Straße für vier Euro erhältlich. Zwei Euro beinhalten die Druckkosten, und die anderen beiden Euro sollen der künftigen Gestaltung der Türmerwohnung zugute kommen.

Die 62 Meter hohen Türme sind schon imposant. Egal aus welcher Richtung sich ein Besucher der Hansestadt Seehausen nähert – schon von der Ferne grüßt St. Petri. Neben Wissenswertem zur Geschichte des sakralen Baues geht Autor Dr. Walter Fiedler auch umfangreich auf die Türmer ein, die hoch oben ihre Arbeit verrichteten. Im Zusammenhang mit dem Bau der Marienkapelle 1486 wurde erstmals von einem Türmer gesprochen, der aber damals noch keine Wohnung in luftiger Höhe hatte. Die entstand erst im Jahre 1676 und war äußerst beengt. Alles, was man zum Leben benötigte, musste herauf- beziehungsweise heruntergetragen werden: Lebensmittel, Trinkwasser, Holz, Kohlen oder die Abfälle. Am Anfang beruhte die Tätigkeit des Türmers soszusagen auf ehrenamtlicher Basis. Erstmals besetzt und bezahlt wurde die Stelle 1688, die Christian Schmidt, ein Angestellter der Stadt, innehatte. Er hatte die Sicherheit Seehausens zu kontrollieren, bei Ausbruch eines Feuers die Glocke zu läuten und die Arbeit als Pulsant (Glockenläuter) und Kalkant (Balgtreter der Orgel) zu übernehmen. Nachdem Turmwächter Otto Würker 1943 verstarb, verwaiste die Wohnung bis zur Besetzung der Amerikaner im April 1945, die dort eine Beobachtungsstelle errichteten. Noch im selben Jahr bezog August Lausch mit seiner Frau das Domizil, die dabei wie ihre Vorgänger 174 Treppenstufen zu überwinden hatten. 1958 zog die Familie vom Turm, eine 270 Jahre lange Besonderheit war beendet. Danach war die Wohnung ein beliebter Treffpunkt der Jungen Gemeinde, um dort Radio Luxemburg über Kurzwelle zu hören. Besonders zur Hitparade sonntags ab 15 Uhr war die Türmerwohnung voller Jugendlicher.

Von Thomas Westermann

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