Seehausen hat jetzt „Lokale Allianz für Menschen mit Demenz“

Heute ist Welt-Alzheimer-Tag: „Kümmern statt wegsperren“

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Keine leichte Aufgabe war das Flaschenzielwerfen im Alterssimulationsanzug.

Seehausen. Weltweit sind 35 Millionen Menschen von Demenzerkrankungen betroffen. Insbesondere in China, Indien und Lateinamerika wird laut Prognosen die Zahl der Erkrankten stark zunehmen.

Der heutige Welt-Alzheimer- Tag wurde im Jahr 1994 von der Alzheimer’s Disease International (ADI) und der Weltgesundheitsorganisation WHO initiiert. Er soll auf die Situation der Alzheimer-Kranken und ihrer Angehörigen aufmerksam machen. Dieses Jahr steht er unter dem Motto „Jung und Alt bewegt Demenz“. Auch die Klinik am wischestädtischen Dr. -Albert-Steinert-Platz bezeichnet sich als „demenzfreundliches Krankenhaus“.

Das Mikadospiel: Dajana Zickerick (v.r.) und Sylke Raboldt-Werthe schauen interessiert zu.

Nun sind die Alandstädter noch einen Schritt weiter. Seit Anfang dieses Monats gibt es eine „Lokale Allianz für Menschen mit Demenz, Ortsgruppe Seehausen“. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert dieses Projekt für zwei Jahre. Das Krankenhaus habe sich um die Förderung bemüht, sagt Ärztin Sylke Raboldt-Werthe, die gemeinsam mit Pflegedienstleiterin Nicole Hinkelmann Ansprechpartnerinnen für die Thematik sind. Hinzu gesellt sich Demenzkoordinatorin Dajana Zickerick. Sie ist die Schnittstelle zwischen Patienten, Ärzten und Ehrenamtlichen. So kümmern sich beispielsweise im Seehäuser Agaplesion-Diakoniekrankenhaus die „Grünen Damen“ um die Demenzkranken. Ihnen soll in dem unbekannten Umfeld Unterstützung, Halt und Sicherheit gegeben werden. Mit im Boot sind in der „Lokalen Allianz“ neben der medizinischen Einrichtung unter anderem die Hansestadt Seehausen, die Altmärkische Bürgerstiftung in Stendal und der Evangelische Kirchenkreis Stendal. Seehausens Bürgermeister Detlef Neumann möchte mit der Partnerschaft der Hansestadt Öffentlichkeitsarbeit betreiben, um für die Betreuung von Demenzpatienten noch mehr Ehrenamtliche zu gewinnen. „Die könnten beispielsweise die Angehörigen stundenweise entlasten“, sagt er gegenüber der AZ.

Hinsichtlich des heutigen Welt-Alzheimer-Tags gab es gestern eine Aktion auf dem wischestädtischen Postplatz. Es gab Infomaterial und Geschicklichkeitsspiele. Dazu gehörten Angebote mit überdimensionalen Mikadostäben und Flaschenzielwerfen. Damit sollte gezeigt werden, dass auch Menschen mit Demenz Lust am Leben und Freude an der Bewegung haben können. Wer von den Besuchern wollte, der konnte in einen Alterssimulationsanzug schlüpfen. Dieser macht die typischen Einschränkungen älterer Menschen auch für Jüngere erlebbar. Dazu gehören unter anderem Einschränkungen des Greifvermögens, der Kopfbeweglichkeit und des Koordinationsvermögens. Medizinerin Raboldt-Werthe möchte die Demenzkranken jedenfalls nicht sich selbst überlassen. „Nicht wegsperren, sondern sich um die Menschen kümmern“, lautet die Devise der Leitenden Abteilungsärztin.

Von Thomas Westermann

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