Ein Exemplar der gepanzerten Technik befindet sich im Blaulichtmuseum

Heute im Museum in Beuster: Wasserwerfer schützten Mauerbau

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Beim Mauerbau am 13. August 1961 in Berlin fuhren die gepanzerten Wasserwerfer der VP-Bereitschaft zur Abschreckung auf. Zum Einsatz gegen Menschen sollen sie aber nicht gekommen sein. Am kommenden Sonnabend jährt sich die Schaffung des laut SED-Propaganda „antifaschistischen Schutzwalls“ zum 55. Mal.

Beuster. Am kommenden Sonnabend, 13. August, vor 55 Jahren begann in Berlin der Mauerbau und damit die Teilung Deutschlands und der Kalte Krieg.

Noch im Juni 1961 verkündete der DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht lauthals: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ Doch er täuschte das Volk. Zwei Monate später begann der Bau.

Auch am Brandenburger Tor war die Technik, deren Wassertanks in Wittenberge gebaut wurden, im August 1961 stationiert.

Zur Abschreckung zogen bei den Arbeiten Wasserwerfer auf einem G-5-Fahrgestell auf. Sie hatten fünf Tonnen Nutzlast und waren mit einem Sechs-Zylinder-Dieselmotor und einer Leistung von 120 PS ausgestattet. Gefertigt wurde das Fahrgestell im Lkw-Werk „Ernst Grube“ im sächsischen Werdau. Der Wassertank hingegen wurde unweit der Altmark gefertigt – konkret im Reichsbahnausbesserungswerk Wittenberge. Den Kesselprüfvorgang für den Wassertank übernahmen ebenfalls die Prignitzer. Und somit war der gepanzerte Wasserwerfer „SKW 2“ mit einem Tankfassungsvermögen von 4320 Liter für den Einsatz komplett.

Dieser gepanzerte Wasserwerfer, Baujahr 1960, befindet sich im Besitz des Blaulichtmuseums.

Das alles weiß Ralf von Hagen zu berichten, der Chef des Blaulichtmuseums in Beuster. Die Fahrzeuge seien mittlerweile zur geschichtsträchtigen Rarität geworden. Seiner Meinung nach soll es deutschlandweit nur noch fünf Exemplare geben – und eines sei seit etwa zehn Jahren im Besitz des Blaulichtmuseums. Ralf von Hagen befand sich damals auf einem Teilemarkt in Neuruppin und hatte dort erfahren, dass es einen Wasserwerfer in der Nähe von Berlin geben soll. „Ralf, du sammelst doch alte Fahrzeuge, das wäre bestimmt etwas für dich“, sagte ein Händler. Und für den „Vater“ des Blaulichtmuseums war die Technik schon interessant. Er machte sich auf den Weg und fand den Wasserwerfer, Baujahr 1960, im stark angerosteten Zustand und nicht fahrbereit vor. Auf einem Tieflader ging der Neuerwerb ins altmärkische Beuster. Dort arbeiteten die Vereinsmitglieder die Technik zu einem Schmuckstück auf, das Interesse von Filmschaffenden fand. So ging es erneut auf einem Tieflader in Richtung Wroclaw in Polen, dem einstigen deutschen Breslau. Dort entstanden große Teile des Fernsehfilms „Die Mauer – Berlin 61“ mit Heino Ferch, Inka Friedrich und Iris Berben in den Hauptrollen.

Ob das Fahrzeug im Blaulichtmuseum, das einst die VP-Bereitschaft nutzte, tatsächlich bei der Schaffung des „antifaschistischen Schutzwalls“ zum Einsatz kam, vermag Ralf von Hagen nicht zu sagen. „Aber die Wahrscheinlichkeit ist aufgrund des Baujahres 1960 hoch.“ Und seines Wissens haben die gepanzerten Wasserwerfer beim Mauerbau nie ihre nasse Ladung gegen Menschen gerichtet.

Von Thomas Westermann

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