Spinnrad, Tier und Obst: Bauernmarkt in Bretscher Tagesstätte wirkt angenehm leicht und zieht an

Den Faden im Trubel nicht verloren

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Alle Augen richteten sich auf die kleinen Räuber, die singen und tanzen.

Bretsch. „Da!“ Maren, gerade einmal zwölf Monate, hält es nicht mehr auf dem Arm ihrer Mutter, sie sucht das Abenteuer und will laufen, keine leichte Sache in dem Alter.

Immer wieder deutet das Mädchen zu Mathias Wolf, einem Schmied in Ausbildung, der gerade den Huf eines Welsh-Ponys bearbeitet. Der 19-Jährige aus dem Landkreis Ludwigslust schaut kurz auf, lächelt und erklärt Klein-Maren: „Das Pferdchen bekommt neue Schuhe. “ Immer mehr Neugierige kommen hinzu, der Stand ist beim 4. Bauernmarkt in der Tagesstätte „Am Räuberberg“ in Bretsch einer der großen Magnete. Zum Finale einer Herbstwoche haben Kinder und Erzieherinnen die Einrichtung geöffnet und begrüßen schon am Vormittag zahlreiche Gäste.

„Wir wollen uns zeigen, auch den Menschen, die keine Kinder mehr bei uns haben oder jemals bei uns hatten. Alle Bürger sind willkommen und können sich umsehen“, erklärt Bianca Hefekerl der AZ und greift wenige Minten später zur Gitarre. Die kleinen Räuber haben ein Programm einstudiert, singen vom Herbst, der Ernte, fallenden Blättern und davon, was in dieser Jahreszeit alles an Arbeit ansteht. Sascha Wunderlich, der Vorsitzende des Kita-Fördervereins, macht bei der Eröffnung nicht viele Worte, wohl wissend, dass Kinder und Gäste das Gelände erobern wollen. Das Aral ist mit viel Herzblut geschmückt. Eltern, Förderer und Pädagogen ziehen an einem Strang.

Rosemarie Werner lässt sich von all dem Trubel nicht aus der Ruhe bringen. Die Drüsedauerin bewegt das Spinnrad und verliert den dünnen Faden auch dann nicht, wenn gleich vier, fünf Kinder vor ihr stehen und fragen, was sie denn da eigentlich genau mache. Die frühere Apothekenfacharbeiterin hat einen Korb voller Wolle des Merinoschafs mitgebracht, einen Teil davon hat sie im Vorfeld mit Nussschalen grünlich gefärbt. „Für mich ist das alles ein Hobby, ich kann dabei wunderbar entspannen, und es entsteht etwas Nützliches, Warmes.“ Aus dem nachwachsenden Rohstoff entstehen regelmäßig vor allem Socken und Westen, die sie nicht zuletzt innerhalb der eigenen Familie anbiete sowie hin und wieder auf Märkten in der Region.

Der Bauernmarkt kann sich sehen lassen. An einem Stand wird gefilzt, an einem anderen getöpfert. Es gibt Honig und weitere Naturprodukte. Kaninchen und Hühner dürfen an diesem Sonnabend auch nicht fehlen. Sporttauben warten in Boxen auf ihren Flug in den heimischen Schlag. Obst und Gemüse sind im Angebot, genauso wie Kaffee und Kuchen sowie später gegrilltes Fleisch.

20 Mädchen und Jungen besuchen die Tagesstätte. Da sich auf dem Gelände ein Verkehrsgarten befindet, schauen immer wieder andere Kinder vorbei. Zwischen den Warnschildern haben sich an diesem Tag Regionalbereichsbeamte der Polizei postiert. Die Ordnungshüter zeigen Warnweste, Helm und Einsatztechnik. Für einem Moment lang sind aber selbst die Uniformierten nur Nebensache. Die Kinder lassen Luftballons samt Adresskärtchen aufsteigen. Wessen Schild als erstes zurückfindet, auf welchem Weg auch immer, erhält eine Freifahrt auf der Arendseer „Queen“ spendiert.

Von Marco Hertzfeld

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