Wegen Prozessionsspinner-Plage schlägt Seehausen Alarm: „53 Patienten im Juni behandelt“

„Endlich koordiniert bekämpfen“

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Auf sozialdemokratische Hilfe aus dem Magdeburger Landtag setzt Seehausens Verbandsgemeinde-Chef. Rüdiger Kloth (M.) führt Rüdiger Erben (r.) und Jürgen Barth (l.) Montagmittag zu einer befallenen Eiche in Gollensdorf.

Gollensdorf/Seehausen. „Immer mehr Bürger, meist auch Kinder, müssen sich ärztlich behandeln lassen“, hat Seehausens Verbandsgemeinde-Chef wegen der Eichenprozessionsspinner-Plage jetzt Umweltministerin Claudia Dalbert eingeschaltet.

Rüdiger Kloth (CDU) hofft, dass die Magdeburger Behörde den Kampf gegen den Waldschädling endlich koordiniert, damit ein wirksamer Einsatz nicht wie bislang oft an Zuständigkeitsgrenzen endet.

Diese Forderung macht auch SPD-Fraktionsgeschäftsführer Rüdiger Erben auf. „Das Brandenburger Modell ist das richtige“, erklärt er Montagmittag unter einer massiv befallenen Eiche am Block der NVA-Grenzkompanie in Gollensdorf. Das zur Gemeinde Zehrental zählende Dorf ist nur eines von zig befallenen Orten auf dem Gebiet der 437 Quadratkilometer großen Verbandsgemeinde. Eine Ärztin habe allein im Juni 53 Patienten mit EPS-Allergie behandelt. Auch die Notfallambulanz Seehausen hat mit der Plage gut zu tun. Hunderte Bürger hätten sich antiallergische Präparate aus der Apotheke geholt, berichtet Kloth.

Rund 200 000 Euro habe die Verbandsgemeinde seit 2010 in den Kampf gegen die allergieauslösenden Krabbler investiert, aber „die Situation hat sich kontinuierlich verschlechtert.“ So habe der Schädling inzwischen „katastrophale Auswirkungen auf den Tourismus“, weil befallene Eichen an Rad- und Wanderwegen, „Besucher zunehmend abschrecken“. Auch Landwirte leiden, wie der Fall eines Heulieferanten beweist, der mehrere tausend Euro Schadensersatz an ein Gestüt gezahlt habe, weil Pferde durch die Härchen des Spinners im Heu „infiziert“ wurden und tierärztlich behandelt werden mussten. „Die Bevölkerung leidet mehr denn je und reagiert mit Baumfällungen, setzt Kloth auf großflächige Bekämpfung.

Aber nicht nur das Geld gegen die Plage ist knapp. Auch die Zeit drängt. Damit die Weichen für eine konzertierte Aktion im nächsten Jahr gestellt werden können, sollte die 2015 gebildete innerministerielle Arbeitsgruppe spätestens im Herbst „eine gemeinsame Strategie beraten“, bittet der Verbandsgemeinde-Bürgermeister um Hilfe aus Magdeburg. Kloth: „Denn unser Problem ist die große Fläche.“

Von Antje Mahrhold

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