Arbeiter erneuern geschichtsträchtige L 256 bei Bömenzien / Verkehr rollt bis Juli über Umwege

Deutsch-deutsche Ader gekappt

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An der Landesstraße  256 zwischen Kapern, Landkreis Lüchow-Dannenberg, und Bömenzien, Landkreis Stendal, wird an Teilung und Wiedervereinigung erinnert.

Bömenzien. Risse legen sich wie ein hässliches Spinnennetz quer über die Fahrbahn, wenige Wagenlängen weiter fehlt der Asphalt stellenweise fast ganz, mehrere Zentimeter tiefe Löcher haben sich gebildet.

Die Marke des extremen Hochwassers 2013 läss sich erkennen. Die Straße muss einiges an Verkehr tragen, unter anderem Holztransporter und andere Lkw.

Die symbolträchtige Landesstraße  256 zwischen dem altmärkischen Bömenzien und dem niedersächsischen Kapern muss dringend saniert werden. Heute sollen die ersten Baufahrzeuge anrollen. Die auch für den Lieferverkehr des Zellstoffwerkes bei Arneburg wichtige Piste wird bis Anfang Juli voll gesperrt. Auf fast halber Strecke verlief vor mehr als 25 Jahren die innerdeutsche Grenze, links und rechts sind die Kolonnenwege noch erhalten.

Die Gemarkung ist reich an Geschichte und Geschichten. Das Dorf lag während der deutschen Teilung auf realsozialistischer Seite unmittelbar an der Grenze. Der DDR-Grenzsoldat Reinhard Dahms wurde bei seinem eigenen Fluchtversuch 1966 bei Bömenzien erschossen. Wer die L 252 nutzt, mag vielleicht auch daran denken, wenn er denn darum weiß. Der ehemalige Grenzübergang Kapern-Bömenzien nördlich des Ortes zählt zum „Grünen Band Deutschland“, dem bekannten Naturschutzprojekt. Der Bereich rund um Bömenzien wird zudem durch den „Grenz- und Naturerlebnispfad Schnackenburg–Gartow“ erschlossen.

In den nächsten Wochen haben Bauarbeiter im äußersten Norden des Landkreises verstärkt das Sagen. Nahe Bömenzien sorgen Arbeiter mit schwerem Gerät bereits seit einiger Zeit für einen besseren Hochwasserschutz. Und nun kommt die L  256 noch hinzu. „Der sehr schlechte Fahrbahnzustand macht es erforderlich, dass die vorhandenen Asphaltbefestigungen abgefräst und ersetzt werden müssen“, heißt es vonseiten der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Kapern ist ein Ortsteil von Schnackenburg im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Die Baukosten belaufen sich auf annähernd 265 000 Euro. Das Land Niedersachsen bezahlt die Rechnung.

Der Verkehr von Kapern in Richtung Bömenzien und Landesgrenze wird ab Gartow über die B 493 nach Woltersdorf und weiter über die Landesstraßen 259 und 260 nach Arendsee und von dort aus weiter über die B 190 nach Seehausen umgeleitet. Der Verkehr in die Gegenrichtung läuft über die gleiche Strecke. Die Bauarbeiten dauern voraussichtlich bis zum 8. Juli. Witterungsbedingte Verzögerungen seien allerdings möglich. Die Landesbehörde, Geschäftsbereich Lüneburg, bittet bereits jetzt alle Verkehrsteilnehmer und Anlieger der Umleitungsstrecken um Verständnis für Störungen und Beeinträchtigungen.

Von Marco Hertzfeld

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