Letzter Dienst im Werbener Rathaus für Jochen Hufschmidt

„Du bist das Beste, was uns hier bis jetzt passiert ist“

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„Ich möchte mich nicht verkriechen“, hält Jochen Hufschmidt ein Werbener Statussymbol in Händen. Der 71-Jährige hat seinen Bürgermeister-Posten nach drei Jahren aufgegeben.

Werben. „Für die Seele und für die Kehle“, macht Wolfgang Eifrig seinem Namen alle Ehre und schüttelt die Hand der Hauptperson dieses Werbener Freitagvormittags im Rathaus-Gedränge eifrig.

Der Vorsitzende des Vereins „Arbeitskreis Werbener Altstadt“ (AWA) ist einer von gefühlt Hunderten Damen und Herren, die am letzten Diensttag ihres zurückgetretenden Stadtoberhaupts Jochen Hufschmidt fast so etwas wie die „letzte“ Ehre erweisen.

So reihen sich hochprozentige und andere wohlgemeinte Aufmerksamkeiten auf dem Stadtratstisch, an dem der 71-Jährige im Laufe seiner dreijährigen Amtszeit eine Reihe heftiger lokalpolitischer Streitigkeiten wegstecken musste. All das womöglich für ihn zu Unschöne lässt Hufschmidt vor seinem Publikum dieses letzte Mal aber beiseite und plaudert angesichts seines frischverletzungsbedingten Hinkens lieber davon, dass „alte Männer keinen Sport treiben sollten“.

Und nachdem Hufschmidts Vize Bernd Schulze, der ja ebenfalls zurückgetreten ist und am Freitag somit ebenfalls seinen letzten Diensttag hatte – was im Trubel aber scheinbar unterging – dem Räbeler mit rheinischen Wurzeln seinen Respekt dafür zollte, „dass er die Sache so lange ertragen hat, weil manche Sachen jenseits von Gut und Böse waren“, ergießt sich ein weiterer Gratulantenstrom. Vorbei an Schnittchen und Sekt marschiert so auch Werbens Kommandeurshaus-Mitinhaber Bernd Dombrowski auf den 71-Jährigen zu. Und es klingt wie ein Zitat aus einem Hit der Bautzener Band Silbermond, als der Diplom-Restaurator erklärt: „Du bist das Beste, was uns hier bis jetzt passiert ist“, während sich Hufschmidts Verbandsgemeinderats-Fraktionskollegin mit einem Holzstorch unterm Arm nähert. Das Statussymbol der mit Adebaren alljährlich reichlich gesegneten Kleinstadt solle aber nicht als Aufforderung für baldige Vaterfreunden missverstanden werden, scherzt Ines Bergmann – und hat alle Lacher auf ihrer Seite. „Die drei Jahre waren alles andere als umsonst“, spricht Hufschmidt eine Viertelstunde nach Beginn seines Amtszeit-Endempfangs Abschiedsworte. Er wolle sich an seinem letzten Tag „nicht verkriechen“, habe „überwiegend tolle Erfahrungen gemacht“ und er danke besonders den Frauen im Rathaus, „weil wir ganz toll zueinander gefunden haben“. „Ich hoffe, dass das Kapital, das diese Stadt ausmacht, ausgebaut wird“, sagt er noch. Und Beifall brandet auf – der fast eine halbe Minute erschallt, bis kurz Stille einkehrt im Werbener Rathaus.

Von Antje Mahrhold

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