Werben: Schnelle (CDU) spricht von „Vorteilsnahme“ / Neuwahl im Oktober möglich

„Als Bürgermeister hätte er durchgreifen müssen“

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Über 20 Bürger waren zur jüngsten Stadtratssitzung ins Werbener Rathaus gekommen. Sieben von ihnen verließen nach Informationen zur Landesstraße 2 den Raum. Alle anderen gingen erst mit Ende des öffentlichen Teils – protestierend.

Werben. Zwei Menschen gaben am Dienstagabend im Werbener Rathaus ihren Rücktritt bekannt. Private Umstände ließen weder Kraft noch Zeit übrig, die Ausschusssitzungen vor- und nachzubereiten.

Das gab Doreen Behrens bekannt – und zog sich vom Vorsitz des noch jungen Wirtschaftsausschusses zurück. Eine weitere Lücke voller Verantwortung muss wahrscheinlich ab Ende Oktober personell geschlossen werden. Verbandsbürgermeisterwahlen sind am 23. Oktober. Der Termin könnte auch für die Bürgermeisterwahl in Werben gelten. Verwaltungskosten ließen sich sparen.

Jochen Hufschmidt.

Jochen Hufschmidt will bis dahin weitermachen, sei weder amtsmüde, noch strebe er andere Aufgaben an. Das „Nein“ des Schulverwaltungsamtes zur Gründung der Freien Grundschule Werben sei für den amtierenden Bürgermeister schmerzhaft gewesen. Aber auch dies habe ihn nicht dazu bewegt, das Amt des Bürgermeisters der Hansestadt Werben niederlegen zu wollen. Der oftmals scharfe Ton im Stadtrat sowie das destruktive Verhalten in der Konsensfindung mancher Stadtratsmitglieder seien die hauptsächlichen Gründe.

Michael Schnelle.

Das sieht Michael Schnelle, CDU-Fraktionschef, im Gespräch mit der AZ nicht so. Hufschmidt habe in seiner Funktion keine neutrale Stellung eingenommen, gar „Vorteilsnahme, eine Straftat, gegenüber dem Arbeitskreis Werbener Altstadt“ (AWA) betrieben. Der Rücktritt sei aus „Angst vor der Staatsanwaltschaft“ geschehen. Und komme somit einem Amtsenthebungsverfahren zuvor, meint Schnelle. Nicht nur Teile des Stadtrates, sondern auch Landkreis und Landesverwaltungsamt haben laut Schnelle einige Kritik gegenüber Hufschmidt zu üben. „Als Bürgermeister hätte er durchgreifen müssen.“ Vor allem dann, wenn „Bürger Probleme ansprechen“. Schnelle selbst will sich nicht noch einmal zum Bürgermeister wählen lassen. Der Betrieb ließe dies nicht zu, da er zu viel Herzblut und Zeit in die Politik stecken würde.

Zurück zur Sitzung: Bürger verließen ungläubig den Raum, teilweise mit Kommentaren wie „hier geht alles kaputt“. Zuvor hatte Wolfgang Trösken (Behrendorf / Werben) gesagt, dass er den Entschluss von Jochen Hufschmidt respektiere. „Einige werden das bedauern.“ Um dann noch einmal nachzubohren, wie es um die Nachzahlung für die Grundschule stehe, warum nur Hufschmidt bei den Hansetagen in Norwegen gewesen sei – „Sind das Privatreisen?“ – und was mit den Fördermitteln zur Giebelgestaltung sei.

„Unglaublich. Zwei Menschen treten zurück und es tun alle so, als würde es sie nichts angehen“, sagte Tina Reppenhagen von der unabhängigen Wählergemeinschaft und erntete Beifall.

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