Komfort, Lebensglück und große Fragen: Niederländische Familie reist quer durch Europa

Ein Abenteuer auf dem Traktor

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Eine ungewöhnliche Tour: Mit einem umgebautem Viehhänger und Deutz-Traktor reisen seit Anfang August die drei Holländer vom Ijsselmee quer durch Europa.

Seehausen. Urlaub lässt sich auf verschiedene Art und Weise wirkungsvoll gestalten.

Der eine bevorzugt den Aufenthalt in einem Hotel oder Pension, der andere liebt das Campen und einige wenige stehen auf „Urlaub mit dem Traktor“, wobei Urlaub nicht unbedingt etwas mit faulenzen, sich verwöhnen lassen und erholen zu tun haben muss. Mit der letztgenannten Kategorie setzt sich eine Familie aus den Niederlanden auseinander, die in Seehausen für einige Stunden Station machte. Mit einem selbst umgebauten, etwas archaisch wirkenden Viehanhänger, mit dem vormals Schafe transportiert wurden und einem Traktor der Marke Deutz 45/06 aus den 1970er Jahren, begannen sie am 1. August in der Nähe von Amsterdam mit ihrer Reise. Sie, das sind der im Kommunikationsbereich arbeitende Gertian Steenstra, seine Lebensgefährtin Janneke Schnell, die an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam Kunst studiert, ihre fast sieben Jahre alte Tochter Solga, der Hund Floffie und die zahme Taube mit dem Namen Rose.

Ihre abenteuerliche Reise liegt ein selbst gestelltes Projekt zugrunde. Es soll die Frage beantwortet werden, wie viel Komfort man braucht, um zu einem annähernden Gleichgewicht zwischen Wohlstand und persönlichem Lebensglück zu kommen. Ihre Tochter wurde ein Jahr lang von der Schule freigestellt. Täglich erhält sie Unterricht bei ihren Eltern und steht mit der Schule via Internet in Verbindung. Sie berichtet über ihre Erfahrungen und setzt ihre Emotionen durch Zeichnungen bildlich um. Die drei sympathischen Holländer luden die AZ in ihren „Wohnwagen“ ein, wo unter anderem bei einer Tasse Kaffee über ihr Projekt gesprochen wurde.

Das ungewöhnliche Gefährt.

Ihr Weg führte sie von Amsterdam über Papenburg, Bad Bodenteich und Arendsee nach Seehausen, wobei täglich maximal 50 Kilometer auf Landstraßen zurückgelegt werden. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei 20 Kilometern pro Stunde, sodass in den einzelnen Stationen noch genügend Zeit bleibt, um sich Sehenswürdigkeiten anzuschauen und mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Die Einladung zu einem Besuch der Petri-Kirche mit Aufstieg zur Türmerwohnung nahmen sie dankbar an, zumal die Seehäuser Kirchengemeinde freundschaftliche Beziehungen zu zwei holländischen Gemeinden pflegt. Gegen Mittag wurde der Traktor gestartet. Hinter dem Fahrer nahmen Mutter und Tochter Platz. Auf dem linken Kotflügel war eine Kiste für den mitfahrenden Hund montiert (TÜV gibt es in Holland nicht). Nach zwei Stunden Fahrt war Havelberg erreicht, wo übernachtet wurde.

„Asyl“ wurde den drei Globetrottern und ihrem Gefährt oft bei Landwirten gewährt, wie sie berichteten. Ihre Reise führt sie nun über Ostdeutschland in die Tschechische Republik und dann schließlich bis nach Albanien, wo sie im Oktober ankommen wollen. Wie es dann weiter geht, wird dann vor Ort entschieden, denn die vorherrschende Witterung ist ein maßgeblicher Entscheidungsfaktor für die drei, die am Ende ihrer Reise das gesammelte Material aufarbeiten wollen und eventuell darüber ein Buch veröffentlichen werden.

Von Walter Schaffer

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