Pauline Bill (19) aus Ellenberg zog ins Kloster Dambeck ein / Kein Fernsehen, kein Internet

Zwölf Tage unter Mönchen

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Die Unterkunft von Pauline Bill befand sich nicht auf dem Klostergelände, sondern in einem angrenzenden Ferienhaus. Eine Frau muss schließlich erstmal untergebracht sein.

Amt Dambeck. Früher haben junge Damen aus gutem Hause öfter den Weg ins Kloster gesucht; heutzutage ist das eher selten. Eine, die dennoch mehr über das geistliche Leben erfahren wollte, ist die Ellenbergerin Pauline Bill.

Die 19-Jährige lebte für ein Schulprojekt insgesamt zwölf Tage im Kloster Dambeck.  Die Idee kam von einem Geschichtslehrer der Jeetze-Schule in Salzwedel, die die Zwölftklässlerin besucht. Anstatt nur in der Theorie darüber zu schreiben, entschied sie sich, das Klosterleben gleich selbst zu erfahren. Eine Herausforderung, was dem Sinn ihres Projektes, einer sogenannten Besonderen Lernleistung, entspricht.

Pauline half im Klostergarten.

Ihr Vater habe zunächst verdutzt geschaut, erzählt Pauline Bill von der Reaktion ihrer Familie. Der Skepsis folgte aber bald die Neugierde. Dabei gab es anfangs eine Hürde. Das Kloster Dambeck nimmt zwar hilfebedürftige Menschen auf. „Aber wo ein Frauenzimmer in einem Männerkloster unterbringen?“, blickt Prior Jens Bauer, als Bruder Jens bekannt, zurück. Mit Pauline Bill habe zum ersten Mal eine Frau bei den drei Mönchen, neben Bruder Jens auch Bruder Tim (Offeney) und Bruder Helmut (Büst), gelebt. Eine Lösung war aber bald gefunden – die Schülerin übernachtete in einer angrenzenden Ferienwohnung.

Der Tag im Kloster und damit auch für Pauline Bill begann morgens mit dem Frühstück. Beten, danksagen und dazu eine Tageslosung nebst Bibeltext gehören fest zum Programm der Mönche. Nicht zu vergessen die Hafersuppe, die es vor jeder Mahlzeit zum Anregen der Verdauung gibt. Danach arbeitete die junge Frau aus Ellenberg gemeinsam mit Bruder Jens im Garten des Klosters. Was der pflanzenaffinen Frau sehr gelegen kam, wie sie erzählt. Nach dem Mittagessen ging es wieder in den Garten (erste Woche) bzw. zum Arbeiten am Schulprojekt (zweite Woche) in die Propstei. An das Abendessen schlossen sich Gespräche oder Ausflüge in die Küche des Klosters an.

Prior Bruder Jens überreicht seinem jugendlichen Gast zum Abschied eine Bibel, ein Losungsbuch und ein weiteres Kirchenwerk.

Die Umstellung auf das Leben im Kloster sei nicht so groß gewesen, meint Pauline Bill. Sie musste zwar ohne Fernsehen und Internet auskommen, habe dadurch aber auch Zeit für sich gefunden – ohne störende Ablenkung. Was sie verpasst hatte, bekam sie dann zuhause mitgeteilt. So ganz hatte sie die Außenwelt während ihrer Klosterzeit aber nicht losgelassen: An drei Tagen waren Schulklassen aus Arendsee und Beetzendorf zu Gast gewesen. Die Schüler wunderten sich über die junge Frau im Kloster. Und auch andere weltliche Dinge ließen sich nicht ganz vermeiden: Einmal feierte Pauline Bill ihren Geburtstag und ein anderes Mal musste sie zum Zahnarzt. Bruder Jens lobte sie nach ihrer Zeit im Kloster und hofft, dass ihr die Erfahrung weiterhilft.

Von Jens Heymann

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