Ost-Karossen rollten durch den Heidekreis: IFA-Trauung bei den Trabi-Freunden

Zweisamkeit mit zwei Takten

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Kein Bild von der Grenzöffnung 1989, sondern die Trabant- und IFA-Freunde bei einem Besuch des Heidemuseums Walsrode im Jahr 2016.

drz Salzwedel / Rehtem. Noch vor 30 Jahren wurden Trabis im so genannten NSW, dem Nicht-Sozialistischen Wirtschaftssystem, eher selten gefahren. Inzwischen sprießen immer mehr Trabi-Clubs aus dem Boden – weltweit.

Die DDR-Fahne wehte im Westen – bei einer IFA-Trauung im niedersächsischen Rethem an der Aller.

Klar, dass deren Mitglieder untereinander engen Kontakt halten. So waren die Trabant- und IFA-Freunde Salzwedel mit der Kraft der zwei Kerzen zum 5. IFA- und Simson-Treffen bei ihren Freunden von der IFA-Familie Aller-Leine-Tal in Rethem gestartet. Die meisten als Gespanne mit den unverwüstlichen Qek „Junior“-Wohnwagen an der Anhängekupplung.

Regen und Niesel konnten den Altmärkern die Stimmung nicht vermiesen. Als gestandene DDR-Mobilisten hatten sie natürlich Gummistiefel, Regenjacke und Schirm im Kofferraum. Und so ging es auch zum Heidemuseum Walsrode mit Scheibenwischern im Dauerbetrieb. Und dort gab es eine Überraschung: Auch andere Fahrzeugenthusiasten waren mit ihren Karossen zum Museumsbesuch aufgebrochen. So gesellten sich zu den Trabanten und Wartburgs auf dem Parkplatz auch noch alte Trecker. Oldtimer- und IFA-Freunde kamen schnell ins Fachsimpeln.

Zurück auf dem Zeltplatz wurden die Fahrzeuge gewienert und im Spalier aufgestellt. Denn ein nichtsahnender Bräutigam wurde dort zu einer IFA-Trauung erwartet. Seine Geliebte erwartete ihn im Brautkleid samt Tochter im geschmückten Festzelt. Bis er dort ankam, musste der Bräutigam, der von den Zweitakt-Mobilisten abgeholt wurde, den Weg in die Ehe im offenen Trabi Kübel bei Nieselregen bewältigen. Der beschwerliche Teil der kommenden Ehe war also bereits bewältigt, als die Bräutigam-Kutsche durch das Spalier der hupenden Ostblockkaleschen paradierte. Bis vor die Füße von Braut und Pastorin. Dort bekam der bis dato Jungeselle den Ring angelegt und durfte seine Frau zum Tanz führen.

Die DDR-Fahne wehte im Westen – bei einer IFA-Trauung im niedersächsischen Rethem an der Aller.

Nach der Hochzeit lief die Preisverleihung. Und dabei fassten auch die Altmärker ab: Die Trabant- und IFA-Freunde waren das 5. Mal – von fünf Treffen – in Rethem dabei. Das war den Niedersachsen ein Pokal wert. Wendy und Erik Harderwijk wurden für die weiteste Anreise mit einem funkelnden Topf bedacht. Die beiden Holländer gehören aber zu dem 15-köpfigen Salzwedeler Club, haben auch einen Zweitwohnsitz in der Altmark. Und auch bei ihnen hat der Trabi etwas mit ihrer Hochzeit zu tun. Den Zweitakter, der bei ihnen als Hochzeitkutsche fungierte, haben sie anschließend gekauft.

In Rethem wurde im Festzelt noch lange getanzt und gefeiert. Am nächsten Tag ging es nach Hause – bei strahlendem Sonnenschein. Und nun sind die Altmärker am Zug: Die Trabant- und IFA-Freunde Salzwedel bereiten nämlich ihr 17. Zeltplatztreffen in Ahlum vor. Das Spektakel geht vom 15. bis 17. Juli über die Bühne.

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