Salzwedeler Stadtentwicklungskonzept 2020: Handlungsbedarf an der Thälmannstraße, nicht aber am Friedensring

Zentrumsnahe Lage als Chance

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Der Friedensring macht den Stadtplanern derzeit keine Sorgen. Während der Leerstand in den Wohngebieten Ernst-Thälmann-Straße, Uelzener Straße, Lüneburger Straße und Arendseer Straße 2009 mehr als 20 Prozent betrug, ist der Friedensring fast voll belegt.

Salzwedel. „Monotone Gebäudestrukturen ohne besondere städtebauliche Qualitäten“ – das Urteil über das Wohngebiet Ernst-Thälmann-Straße im Salzwedeler Stadtentwicklungskonzept fällt nicht gerade freundlich aus.

Es müsse etwas getan werden, heißt es sinngemäß weiter.

Das Wohngebiet erstreckt sich entlang der Ernst-Thälmann-Straße. Einer der Blöcke, die Hausnummer 20 bis 26, ist vor eineinhalb Jahren abgerissen worden. Das Stadtentwicklungskonzept für Salzwedel prognostiziert auch für die nächsten Jahre einen Anwohnerrückgang, was weitere Abbruchpläne nach sich ziehen könnte.

Der Wohnungsleerstand ist auch in diesem Stadtteil allgegenwärtig. Vor allem Unterkünfte im vierten und fünften Stock seien ohne Fahrstuhl nicht vermietbar, urteilen die Planer. Die Idee, durch Rückbau im Wohngebiet Arendseer Straße Mieter an die Thälmannstraße zu locken, habe sich als „nicht vollständig umsetzbar erwiesen“.

1990 wohnten im Baugebiet noch rund 2500 Menschen. Diese Anzahl hat sich mittlerweile halbiert. Das entspricht dem zweithöchsten Verlust eines Stadtgebietes nach der Arendseer Straße.

Bäume sollen die Fläche des ehemaligen Wohnblocks Thälmannstraße 20 bis 26 optisch aufwerten.

Die Thälmannstraße hat sich im vergangenen Jahrzehnt mehr und mehr zu einem Wohnort für Senioren entwickelt. Rund 30 Prozent der Menschen dort sind älter als 65 Jahre. Ebenfalls überdurchschnittlich sind Kleinkinder vertreten. Demnach mieten junge Familien gerne ein Zuhause an der Thälmannstraße. Umgekehrt fällt der Anteil der Erwerbstätigen im Stadtvergleich geringer aus.

Eine vierspurige Fahrbahn ist laut Planer nicht mehr notwendig. Parknischen könnten daher für ungefährliches Anhalten sorgen.

Unterschiede zum Wohngebiet Arendseer Straße, wo eher jüngere Leute mit Migrationshintergrund wohnen, finden sich auch in der Bausubstanz. Die Häuser haben aufgrund ihrer Stadtzentrumsnähe einen höheren Stellenwert und sind daher bevorzugt modernisiert worden – ohne Rückbau. Denn dieser wäre laut Planer aufgrund der Schrägdächer deutlich teurer als bei der klassischen Platte. Statt Rückbau schlägt das Konzept den gezielten Abriss einerseits und den Einbau von Fahrstühlen andererseits vor.

Der Leerstand betrug 2000 noch 158, 2011 aber schon 258 Wohnungen. Das Stadtentwicklungskonzept geht davon aus, dass sich die Nachfrage noch weiter verringern wird.

Die Blöcke 17 bis 25 (hinten) und 27 bis 35 weisen den höchsten Leerstand auf und wären laut Konzept am ehesten verzichtbar.

Als planerische Variante kursiert die Idee, die Blöcke 17 bis 25 und 27 bis 35 im Süden des Stadtteils abzureißen. Sie verzeichnen den größten Leerstand und sind dem Verkehrslärm der angrenzenden Umgehungsstraße am meisten ausgesetzt. Der Eigentümer der Blöcke, die Wohnungsbaugenossenschaft, plant derzeit jedoch nichts dergleichen.

Das Gedankenspiel geht noch weiter: Sollte sich die Mietsituation nach 2020 nicht verbessern, würden sinnvollerweise auch die Gebäude 1 bis 15, 37 bis 45 und 65 bis 75 in die Bestandsdiskussion kommen. Die Eigentümer sollten Sanierungstätigkeiten daher auf die Gebäude auf der anderen Straßenseite und im Norden des Stadtteils konzentrieren, rät das Papier.

An die Stelle der alten Blöcke könnten Gewerbebauten rücken, die die Straßenfront schließen. Das Stadtentwicklungskonzept attestiert dem Areal eine attraktive Geschäftslage. Die Nachnutzung der Thälmannstraße 20 bis 26 soll als Grünanlage erfolgen.

Von Jens Heymann

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