David Benke aus Salzwedel mit hochgezüchtetem Fiat Cinquecento beim Rennen der Legenden

Er zähmt die PS-Monster

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Der Altmärker David Benke hat Benzin im Blut: Mit seinem quietschgelben Fiat Cinquecento war er jetzt bei der „Gruppe-B Rallyelegenden“ in Österreich und schwärmt: „Dort gab es Fahrzeuge, da war nur noch die Frontscheibe serienmäßig.“

Salzwedel/Saalfelden. Jeder Laie bekäme Probleme beim Luftholen, kein Wunder: David Benke aus Salzwedel kennt das Gefühl, auf Schotter von 0 auf 100 in drei Sekunden zu beschleunigen.

Sein Können als Rennfahrer war jetzt beim Renn-Event „Gruppe-B Rallyelegenden“ im österreichischen Saalfelden gefragt. Wer hätte es gedacht: Bei Tempo 200 schaffte Benke es sogar noch, die schöne Landschaft zu genießen.

 

Angefangen hat die Leidenschaft des heute 38-jährigen Salzwedelers mit der Volljährigkeit. Als er seinen Führerschein endlich hatte, war er nicht mehr zu bremsen. Das Rallye-Gen liegt ihm sozusagen im Blut: Bereits sein Vater fuhr früher Motorradrennen und schraubte später viel in der Werkstatt herum: „Das hat mich einfach gepackt“, erinnert sich der Altmärker.

Bei der Rallye in Saalfelden ging es nicht darum, wer der Schnellste war. „Das war ein Show-Event“, beschreibt Benke die Veranstaltung. Ausgemusterten Boliden wurden die Sporen gegeben. Sie durften quasi noch einmal aus dem Rallye-Museum auf die Straße – und dabei wurde es richtig laut. Die 200 000 bis 300 000 Euro teuren Boliden machten eine gute Figur und enormen Krach.

Die Fahrzeuge sind je nach Ausstattung und Motorisierung in Gruppen unterteilt. Gruppe-B-Fahrzeuge gehören sozusagen zur Königsklasse. Bei diesen benzinfressenden Biestern auf vier Stollenreifen ist nur noch die Frontscheibe serienmäßig. „Alles andere ist komplett offen“, beschreibt Behnke das nicht Vorhandensein irgendwelcher Auflagen. „Naja, die Automarke sollte schon noch irgendwie zu erkennen sein“, sagt Benke und grinst.

Nach der Kurve sofort wieder aufs Gas. Mit Co-Pilot Bennedikt Heinz heizte der Altmärker durch Österreich.

Hintergrund der Rallye ist es, den Zuschauern alte Gruppe-B-Boliden (bis 600 PS) und Rennautos zu zeigen. Benke war bei dem Event mit einem Gruppe-H-Auto am Start, ein Fiat Cinquecento, einer im Gegensatz zu den B-Fahrzeugen entschärften Gruppen-Variante. Aber immer noch flott. Das zweitägige Event (8. bis 9 Juli) zählte rund 25 000 Zuschauer und eine Etappe, die sogenannte 5. Wertungsprüfung, wurde im ORF live übertragen. Benke drückte aufs Gas und konnte sich voll auf seinen Co-Piloten, Bennedikt Heinz, verlassen. Die Aufgabe des Co-Piloten ist es, dem Fahrer die Beschaffenheit der Strecke anzusagen: „Rechts 1“ etwa bedeutet, gleich kommt eine leichte Rechtskurve. „Rechts 4“ kündigt eine starke Rechtskurve an, Benke muss vom Gas um sie zu meistern.

Die abgesteckten Strecken in Saalfelden waren zwischen vier und neun Kilometer lang. Stellenweise beschleunigte Benke auf Geraden auf bis zu 200 Kilometern pro Stunde: „Im Wald ist das schonmal spannend, wenn die Bäume so an einem vorbeiziehen.“

Ein Höhepunkt der Rallye war die 10. Wertungsprüfung entlang der Panoramastraße hoch zu den Stauseen Kaprun. Diese ist normalerweise für Autos gesperrt, man darf nur mit einem Schuttlebus dorthin. Den Veranstaltern ist es gelungen, dass die Wertungsprüfung entlang dieser schönen Panoramastrecke stattfinden konnte, so Benke. „Diese Fahrt wurde zu einem einmaligen Erlebnis für Fahrer und Zuschauer“, schwärmt der Salzwedeler und ist hörbar froh, an dem Rennen der Rallyelegenden teilgenommen zu haben. 

Von Michael Koch

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