Von Woche zu Woche

Der Wolf killt das Wild – na und?

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Ein Wolf beißt in seine Beute. (Symbolfoto)

Der liebe Wolf kann ja nichts dafür. Es ist seine Natur, das Wild zu jagen. Er muss ja auch irgendwas fressen. Wie schön, dass dieses große Raubtier wieder da ist und die Menschen in Angst und Schrecken versetzt.

Kindergärten veranstalten keine Waldtage mehr, keiner geht mehr im Wald spazieren, sucht Pilze, das Muffelwild wird ausgerottet – was soll´s. Wildschafe gehören sowieso nicht hierher.

Der Wolf war lange nicht da, nun hat er seinen Lebensraum wieder. Ok. Aber muss er erst ein Kind gefressen haben, bis wir ihm klarmachen, wie er sich uns Menschen gegenüber zu verhalten hat? Müssen wir uns vor ihm zurückziehen, uns ihm unterordnen? Umgekehrt wird ein Schuh draus. Wir müssen ihm deutlich machen: Bis hierhin und nicht weiter.

Ulrike Meineke

Als die ersten Videos auftauchten, die zeigten, wie nah das Raubtier dem Menschen kommt, war die Aufregung groß. Inzwischen ist das Normalität. Wir akzeptieren offenbar, dass der Wolf der Herr in Wald und Flur ist. Das gibt es nirgendwo auf der Welt – nur in Deutschland. Weil wir es so toll finden, dass der Wolf wieder da ist und ihm nicht mit einem verhaltenen Jagddruck klar machen, dass er ein Wildtier mit natürlicher Scheu vor dem Menschen zu sein hat. Wenn es einmal in einem Rudel knallt, wissen diese intelligenten Tiere sofort: Aha – Mensch – Gefahr – Rückzug. Das vermitteln sie auch ihrem Nachwuchs.

Und was kann bitteschön das Muffelwild dafür, dass es aus Korsika/Sardinien stammt? Es lebt seit Jahrzehnten hier, die ersten Exemplare wurden 1903 in der Göhrde ausgesetzt. Hat es keine Daseinsberechtigung, weil der Wolf früher da war? Das ist irgendwie rassistisch. Ausländer ab nach Hause, auch wenn ihr hier geboren seid und seit Jahrzehnten hier lebt ...

Das Damwild kann auch nichts dafür, dass es hier ausgewildert wurde. Noch hat der Wolf, betrachtet man die aktuellen Streckenzahlen der Altmark, offenbar keine gravierenden Auswirkungen auf das Reh- und Damwild, aber wenn die Muffel von der Speisekarte verschwunden sind, widmet sich das Raubtier der nächsten Art.

Den Jägern gegenüber argumentieren die Wolfsfreunde, sie hätten durch ihn nicht mehr genug abzuballern. Jäger sind ohnehin überflüssig – der Wildbestand reguliert sich selbst. Das sehen wir ja beim Blick etwa auf die Streckenzahlen bei den Neubürgern Waschbär & Co. Ihre Population steigt rasant. Sie fressen unsere Singvögel (gehören die nicht hierher?), rotten manche Arten vielleicht ganz aus. Was die Weidmänner dagegen tun können, ist sicher ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber die Jäger-Gegner vergessen, dass die Weidleute in erster Linie Naturschützer sind, die ganz und gar nicht auf alles ballern, was sich bewegt.

In Sachen Wolf sollte die Politik hören, was die Jäger und andere Naturschützer zu sagen haben.

Von Ulrike Meineke

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