Wandernde Paare in der ganzen Altmark / Fotofallen für die Klietzer Heide

Wölfe im Liebesrausch

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Der Paarung von Wölfen gehen oft längere Spaziergänge der Raubtiere voraus.

Altmark. Isegrim hat Schmetterlinge im Bauch: Derzeit ist Ranz im Reich der Wölfe. Das heißt, die Tiere suchen sich einen Partner – wenn sie nicht schon einen haben. Damit beginnt die Paarungszeit, und das geht auch bei Wölfen mit speziellen Ritualen einher.

„Zur Hoch-Ranz laufen Paare von weiblichen und männlichen Tieren durch ihr Territorium“ erklärt dazu Dr. Martin Trost vom Landesamt für Umweltschutz. Er stellt die Berichte zum Wolfsmonitoring in Sachsen-Anhalt zusammen. Das Wandern der Paare, sagt Trost, „ist so eine Art Beziehungsarbeit“. Wo der Mensch ein romantisches Dinner serviert oder zum Tanz auffordert, gehen Wölfe spazieren.

„Durch diese Wanderungen ist es durchaus wahrscheinlich, dass man die Tiere derzeit öfter sieht“, meint Trost. So habe es in den vergangenen Wochen Sichtungen bei Cobbel, Uetz, Schernebeck, Bertingen und im Tangermünder Raum gegeben – allerdings unbestätigt. Trost hält solche Sichtungen dennoch für durchaus wahrscheinlich. Das komme einerseits durch die wandernden Paare der Ranz, andererseits auch durch wandernde Jungwölfe, die sich ein eigenes Revier suchen. Denn der Landkreis Stendal bzw. die ganze Altmark sei permanent Transitgebiet der großen Raubtiere. Das betreffe etwa den südlichen Landkreis als Durchgangszone zwischen der Colbitz-Letzlinger Heide und der Klietzer Heide. Bei Colbitz sind territoriale Wölfe gesichert, bei Klietz werden sie seit dem vergangenen Jahr vermutet.

Gesichert ist ein Rudel dort noch nicht, aber bald sollen Fotofallen aufgestellt werden, um für Klarheit zu sorgen.

Wo sich die nächsten Rudel ansiedeln? Spekulieren will Martin Trost nicht, aber er hält es zumindest für wahrscheinlich, dass sich Rudel eben in Klietz oder beispielsweise im Bereich Mahlpfuhl ansiedeln könnten.

Dr. Peter Neuhäuser, Chef des Naturschutzbundes (Nabu) im Landkreis Stendal, berichtet von der gesicherten Sichtung eines Wolfes südlich von Tangermünde in 2015. Aktuellere kann er nicht bestätigen, aber auch er sagt, dass die Altmark ständiges Wandergebiet ist. So gebe es historische Aufzeichnungen über die Verbreitung des Wolfes vor seiner Ausrottung. Darin war ein „Wechsel“, ein etablierter Tierpfad, bei Grieben beschrieben. Neuhäuser meint, dass die Einwanderer immer noch instinktiv diese Pfade nutzen. Bei Grieben würden sie über die Elbe wechseln. Der Fluss sei eine Besiedlungs-Achse für das Tier.

Von Kai Hasse

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