Von Woche zu Woche

Geld gibt's auch ohne Anspruch

Wenn es darum geht, die Arbeit der Polizei gut zu verkaufen, nimmt Innenminister Holger Stahlknecht als oberster Dienstherr den Mund gern voll.

Ulrike Meineke

Schließlich hat er die Polizeireform erfunden und immer wieder betont, wie wichtig präventive Arbeit ist, die die Regionalbereichsbeamten in der dünn besiedelten Arbeit leisten. In der Tat sieht man Polizisten häufiger in den Straßen, sie halten Sprechzeiten ab, gehen in Kindertagesstätten, Schulen und Seniorenheime, um über bestimmte Gefahren für diese Zielgruppen zu informieren.

Aber in einigen Revieren sieht das dann doch ganz anders aus. In Salzwedel zum Beispiel. Dort beschränkt sich transparente Öffentlichkeitsarbeit auf das Verfassen von Polizeimeldungen, sprich man teilt mit, wo sich wann welcher Unfall oder Diebstahl ereignet hat. Ach ja, und man teilt wenige Tage vor Schulanfang mit, wo Transparente aufgehängt werden, die die Kraftfahrer für die Abc-Schützen sensibilisieren sollen. Die Presse kommt dann und macht ein Foto. Das schicken die Polizisten der Öffentlichkeitsarbeit dann wahrscheinlich nach Magdeburg – wieder etwas Gutes getan.

Zeitung sieht ihre Aufgabe auch darin, Service für den Leser zu bieten. Den Eltern etwa, die jetzt dabei sind, den sicheren Schulweg mit ihren Knirpsen zu üben. Worauf ist dabei zu achten? Kann man Schulanfänger oder Zweit- und Drittklässler mit dem Fahrrad allein zur Schule schicken? Wie viele Unfälle haben sich eigentlich ereignet, an denen Kinder beteiligt waren?

Fragen, die in so einem Fall an die Pressesprecher des jeweiligen Polizeireviers gestellt werden. Salzwedel hat zwei davon. Die Antworten, die man da mitunter bekommt, sind erschreckend und beschämend: „Die Kinder sind jetzt nicht da, das Thema ist nicht aktuell.“ „Wir melden uns später.“ „So schnell lassen sich die Zahlen nicht ermitteln.“ Zeit- und Personalmangel werden bei solchen Gelegenheiten gern als Argumente angeführt.

Anderswo, und zwar rund um Salzwedel, hat die Polizei erkannt, wie wichtig Öffentlichkeitsarbeit ist. Im benachbarten Westen ist es seit Jahren eine Selbstverständlichkeit, Zuarbeit zu bestimmten Themen zu leisten. Und zwar gern und mit dem Nachsatz: „Können wir sonst noch etwas für Sie und Ihre Leser tun?“ In Stendal hat die Polizei ebenfalls einen guten Ruf dank ihrer hervorragenden Öffentlichkeitsarbeit. Sie hat übrigens „Tipps für den sicheren Schulanfang“, verbunden mit Zahlen über Unfälle, an denen Kinder beteiligt waren, ohne Nachfrage zur Verfügung gestellt – das ist Dienst am Bürger.

„Wenn die Stendaler Kollegen die Infos zum Thema von sich aus geschickt haben, konnten sie sich auch darauf vorbereiten“, kommentiert man derweil in Salzwedel.

Es ist wohl eine Frage, wie man seinen Job versteht. Man kann ihn gut oder schlecht machen (wollen). Gut ist meistens mit mehr Arbeit verbunden. Geld gibt´s in Behörden wie der Polizei auch ohne den Anspruch, seinen Job gut machen zu wollen. 25 Jahre nach der Wende hat sich in dieser beschaulichen Kleinstadt nicht viel verändert ...

Von Ulrike Meineke

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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