Staumaßnahmen am Grünen Band sorgen für Ärger / Auswirkungen auf Flächen bei Brietz unklar

„Wir wollen keinen Pool im Keller“

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Rund um die Brietzer Teiche im Grünen Band will der BUND Staumaßnahmen ergreifen, um Brut- und Nistplätze zu schaffen. Für die Chüttlitzer und Brietzer stellt sich nun die Frage nach den Auswirkungen auf ihren Flächen rund um die Dörfer.

Brietz/ Chüttlitz. „Wir wollen keinen Pool in unserem Keller haben“, brachte es Ortschaftsratmitglied Frieder Füger am Montagabend verärgert bei der Ortschaftsratsitzung im Chüttlitzer Dorfgemeinschaftshaus auf den Punkt.

Seit Wochen beschäftigt sich der Brietzer / Chüttlitzer Rat mit einem Bauvorhaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Grünen Band.

Dort sollen in der Nähe der Mühlenwiese und der Erdgassonde zwei Haupt- und ein Nebengraben mit Staumaßnahmen versehen werden. „Die Bauvorhaben kamen bei unserer letzten Sitzung im Dezember auf den Tisch. Dort hatten wir nur einen handschriftlichen Zettel der GBR Seebenau vor uns liegen und konnten damit überhaupt nichts anfangen“, so Ortsbürgermeister Wolfgang Kappler im Gespräch mit der AZ.

Baumaßnahmen für 80 000 Euro

„Haben Sie denn schon das Einverständnis der Eigentümer für diese Baumaßnahmen erhalten?“, wollte Ratsmitglied Sven Liebich am Montag von BUND-Projektkoordinator Dieter Leupold wissen und erfuhr, dass alle betroffenen Flächen Eigentum des BUND seien, teilweise aber über Pachtverhältnisse bewirtschaftet werden. „Wir wollen mit den Dämmen dafür sorgen, dass die Flächen im Sommer nicht austrocknen und wir für eine langfristige Weiterbewirtschaftung sorgen können“, versuchte Leupold das Bauvorhaben mit hydrologischen Grafiken zu erklären.

So will der BUND mit verschiedenen Maßnahmen mit geschätzten Gesamtkosten von rund 80 000 Euro neue Artenvielfalten ansiedeln, die eine entsprechenden, feuchten Lebensraum brauchen. Unter anderem sollen dort Brutinseln errichtet und Kleingewässer vergrößert werden. „Wir planen dort die Verbesserung des Feuchtgrünlandes, um Kiebitzen und Bekassinen Brutplätze zu ermöglichen. Außerdem sollen sich dort noch weiter Amphibien, Frösche und im Zuge dann auch Störche ansiedeln“, informierte Leupold auf AZ-Nachfrage

„Durchkommen nur noch mit der Pistenraupe möglich“

„Es ist so nass auf den Wiesen, da braucht man nicht noch zusätzlich stauen. Da kommt man nur noch mit der Pistenraupe durch“, zeigte sich Liebich in der Ratssitzung verärgert. Nun haben die Ratsmitglieder Sorgen, welche Auswirkungen die Dämme auf die Flächen rund um die Dörfer haben. „Wir haben jetzt schon auf einer Tiefe von 60 bis 70 Zentimetern Wasser im Boden. Wie soll das denn aussehen, wenn jetzt noch mehr Wasser aufgestaut wird?“, fragte Wolfgang Kappler.

„Unsere Gelände- und Höhenvermessungen haben ergeben, dass nur die Flächen vom BUND betroffen seien werden“, so Leupold und erntete dafür harsche Kritik von Sven Liebich. „Das können Sie jemandem erzählen, der seine Hose mit der Kneifzange zumacht. Natürlich werden die Staumaßnahmen Auswirkungen auf unsere Flächen haben. Als ob das Wasser auf den BUND-Flächen stehen bleibt, nur weil es so errechnet wurde. Im Darsekauer Forst wurden auch Dämme gebaut und da sterben auf den Flächen jetzt die Bäume ab.“

Förderung ja, aber nicht auf Kosten der Anwohner

Bauamtsleiterin Martyna Hartwich versuchte zu schlichten: „Wir brauchen eine Übersicht über die Gesamtauswirkungen. Das ist es, was den Leuten hier Angst macht und was sie nicht abschätzen können.“ Eine entsprechende Gesamtkarte mit dem errechneten Wasserfluss hatte BUND-Koordinator Leupold am Montagabend aber nicht dabei. Der Rat vertagte sich auf Anfang März und will dann erneut über die Staudämme beraten.

Leupold wies auf die kommende Klimaveränderung in der Altmark hin: „Wir müssen rechtzeitig an den Wasserrückhalt in der Landwirtschaft denken. Unsere Dämme bieten sowohl einen natürlichen Überlauf, als auch einen regulierbaren Wasserstand, der durch ein Ablaufrohr flexibel verändert und angepasst werden kann.“

„Wir finden es gut, dass das Grüne Band gefördert wird, aber wir müssen wissen, wie sich das angestaute Wasser auf die angrenzenden Flächen auswirkt. Nicht das wir als Ortschaftsrat zustimmen und dann saufen die Grundstückseigentümer rund um Brietz und Chüttlitz ab“, schloss Kappler die Sitzung.

Von Katja Lüdemann

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