80er Zonen sollen Zusammenstöße verhindern / Polizei setzt auf Umdenken

Wildunfälle: Dreibeine bringen keinen Erfolg

Altmarkkreis. Die Dreibeine – seit diesem Sommer mit roter Farbe besprüht – bringen an der Pilotstrecke der L 19 zwischen Klötze und Schwiesau nicht den erhofften Erfolg.

„Das ist nicht der große Wurf“, stellte Manfred Richter vom Polizeirevier des Altmarkkreises gestern fest. Die Zahl der Wildunfälle hat sich in den vergangenen drei Jahren kaum verändert. Ganz egal, in welcher Farbe die Dreibeine angesprüht waren – Verkehrsunfälle verhinderten sie nicht.

Stattdessen setzt die Polizei nun auf ein Umdenken bei den Kraftfahrern. Wenn sie nicht von allein darauf kommen, in dem gefährlichen Waldstück ihr Tempo anzupassen, soll eine Geschwindigkeitsbeschränkung aufgestellt werden. „Wir werden das bei der Verkehrsunfallkonferenz des Kreises im Januar thematisieren“, kündigte Richter die Überlegungen der Polizei an. Allerdings sei es wohl kaum möglich, die gesamte Strecke durch den Wald mit 50 km / h zu beschränken. Aber da viele Verkehrsteilnehmer deutlich schneller als erlaubt fahren, „haben das Wild und der Kraftfahrer so keine Chance, Unfälle zu verhindern“, hat Manfred Richter beobachtet. „Tempo 80 würde schon was bringen“, unterstützte Jagdpächter Eckhard Wegwarth den Vorschlag.

Auch Jens Mösenthin von der Unteren Jagdbehörde des Altmarkkreises sieht eine Geschwindigkeitsbegrenzung als guten Ansatz. Allerdings schränkte er ein, dass bereits versucht wurde, diese bei den Verkehrsbehörden anzuregen. Die Antwort vom April lautete, dass die Gefahr von Wildunfällen nicht ausreiche, um eine solche Beschränkung anzuordnen. „Dann sollten wir daraus ein Pilotprojekt für Sachsen-Anhalt machen“, schlug Revierförster Dietmar Schulze vor.

Es mangelt zudem an der Kommunikation zwischen Polizei, Leitstelle und Jägern. Darüber waren sich die Vertreter im Pilotprojekt „Dreibeine“, mit dem zwischen Klötze und Schwiesau Wildunfälle vermieden werden sollen, gestern Vormittag einig. Dass die Jagdpächter über die Unfälle und das eventuell nachzusuchende Wild erst spät oder gar nicht informiert werden, ärgerte nicht nur Eckhard Wegwarth. „Wir reden seit zwei Jahren immer das Gleiche, es muss sich auch mal etwas ändern“, forderte Wegwarth.

Manfred Richter vom Salzwedeler Polizeirevier versprach, die Problematik noch einmal im Revier zu thematisieren und die Polizisten zu sensibilisieren. „Die Meldepflicht der Unfälle besteht schon lange, sie muss nur umgesetzt werden“, räumte Manfred Richter ein. Er machte aber auch darauf aufmerksam, dass die Verkehrsteilnehmer in der Pflicht sind, ihre Unfälle zeitnah bei der Polizei zu melden. Ansonsten ist es eine Unfallflucht.

„In den vergangenen drei Jahren gab es keinen signifikanten Rückgang der Wildunfälle, so bedauerlich das ist“, zeigte Manfred Richter anhand der Unfallstatistiken. Von 1. April bis 20. Oktober dieses Jahres gab es auf der Strecke neun Unfälle mit Wild. „Das liegt im Schnitt der vergangenen Jahre“, so Richter. Im Jagdjahr 2014 / 15 wurden 19 Wildunfälle, im Jahr 2013 / 14 insgesamt 16 Unfälle mit Wild auf der Pilotstrecke verzeichnet.

Von Monika Schmidt

Rubriklistenbild: © dpa

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