Theater der Altmark überzeugte im Salzwedeler Kulturhaus mit Schillers „Don Carlos“

Wenn der König einen Freund braucht

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Starke Szene: König Philipp II. (l.) gefangen in alten Machtstruktur, sucht einen Freund und ehrlichen Ratgeber.

zu Salzwedel. Liebe, Machtspiele, Intrigen, Eifersucht und Verrat – alle diese Komponenten in einem Drama sind zeitlos. Ebenso zeitlos wie die Handlungsstränge in Friedrich Schillers Drama „Don Carlos“.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Akteure des Stendaler Theaters der Altmark überzeugten im Salzwedeler Kulturhaus mit Schillers Klassiker auf der Bühne.

Schade nur, dass das Haus halb voll war. Dabei könnten die Bezüge des Mammutwerkes zur aktuellen Gegenwart in Deutschland und Europa nicht deutlicher sein: Der spanische König Philipp II. (Frank Siebers), gefangen in alten, verstaubten Macht- und Herrschaftsstrukturen, sucht einen Freund und Ratgeber. Die Szene, in der er wie im Wahn kreisförmig Papiere um sich ausbreitet, ist daher eine der stärksten in der Aufführung unter der Regie von Boris von Poser. Hervorragend auch die dramatischen Schlagzeug-Sequenzen von Benjamin Ulrich.

In Schillers Drama aus den Jahren 1783-87 trifft der spanische Kronprinz Don Carlos (Carsten Faseler) seinen Jugendfreund Marquis von Posa (Andreas Müller) wieder, der gerade aus Brüssel kommt. In Flandern, so eröffnet Posa Don Carlos, könnte der Thronfolger den schwelenden Religionskonflikt friedlich beilegen.

Doch Don Carlos hat andere Sorgen. Er liebt noch immer seine einstige Verlobte, Elisabeth von Valois (Linda Lienhard). Sie ist inzwischen jedoch die Gemahlin seines Vaters, Philipp II.

Das Ränkespiel beginnt: Don Carlos wird ein Liebesbrief von Prinzessin Eboli (r.) zugespielt. Der Kronprinz denkt hier noch irrtümlich, die Königin sei die Verfasserin.

Nun beginnen die Intrigen und das Ränkespiel mit politischen und weltanschaulichen Verwicklungen ersten Ranges. Denn Don Carlos wird ein Liebesbrief von Prinzessin Eboli (Lea Willkowsky) zugespielt. Doch der Kronprinz denkt irrtümlich, die Königin sei die so durchaus romantisch veranlagte Verfasserin.

Besonders deutlich in der Darbietung des Theaters der Altmark kommt in Salzwedel die Darstellung des Freiheitsbegriffes zum Ausdruck: Die zukünftige Freiheit bahnt sich nämlich wie ein Naturgesetz ihren Weg. Sie bedeutet einen zurückhaltenden Staat, gesellschaftliche Relevanz des individuellen Handelns und ausgleichende, gerechte Behörden sowie die Gedankenfreiheit.

Parallelen zur Gegenwart? Jede Menge! Kanzlerin Angela Merkel braucht, wie viele Mächtigen unserer Zeit, offenbar auch einen guten Freund. Und nicht nur einen.

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