Als Roswitha Amberg ihren Partner verliert, bricht ihre Welt zusammen / Hilfe in der Trauergruppe

Wenn eine Sekunde alles verändert

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Vor einem halben Jahr starb der Lebensgefährte von Roswitha Amberg (l.). In ihrer Trauer fand sie Hilfe in Gesprächen mit anderen, die ebenfalls den Verlust eines Menschen betrauern. Mit Bärbel Riep will sie nun eine Selbsthilfetrauergruppe gründen.

Salzwedel. In nur einer Sekunde kann sich das ganze Leben ändern. Für Roswitha Amberg war diese Sekunde vor einem halben Jahr, als ihr Lebensgefährte starb.

„Er hatte einen Herzinfarkt bei uns zuhause. Ich habe ihn reanimiert. Im Krankenhaus hat er dann einen zweiten Infarkt erlitten“, erzählt die 59-Jährige mit zittriger Stimme.

Aber ihr Lebenspartner berappelte sich, war auf dem Weg der Besserung. „Er hat noch zu mir gesagt: ,Schätzchen, ich komme nach Hause.‘ Am nächsten Tag war er nicht mehr da.“ Im Alter von 72 Jahren war ihr Seelenverwandter verstorben.

Für Roswitha Amberg brach eine Welt zusammen. 17 Jahre waren die beiden zusammen gewesen. Hatten ein Haus mit Hof und kümmerten sich um ihre Tiere. „Ich musste alles weggeben, weil ich es nicht mehr halten konnte“, so die Rentnerin. Doch es kam noch schlimmer. „Ich war plötzlich ganz alleine. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis hat man mich geschnitten, die Straßenseite gewechselt, wenn man mich getroffen hat.“ Sie funktionierte nur noch. Wie im Tunnelblick organisierte sie die Beerdigung, kümmerte sich. Bis es nicht mehr ging und sie sich in Uchtspringe einweisen ließ.

„Dort habe ich in den Gesprächen mit anderen Patienten viel Stärke erhalten. Zunächst habe ich nur zugehört. Wie andere ihre Trauer bewältigen. Mit dem Verlust des Sohnes, der Mutter oder des Partners umzugehen.“ Als sie die Klinik verließ, wollte sie diesen Trost aus den Gesprächen auch weiterhin erfahren. Nur: In Salzwedel gibt es keine Trauerselbsthilfegruppe.

Roswitha Amberg wandte sich an den Paritätischen Wohlfahrtsverband und traf dort auf Bärbel Riep. „In Stendal und Klötze haben wir Selbsthilfegruppen für Trauernde. Und in Salzwedel wollen wir diese nun auf den Weg bringen“, erzählt Bärbel Riep. Erfahrungen, die während der Sterbephase eines Angehörigen gemacht wurden, Krankheitsbilder wie Depressionen bei den Hinterbliebenen. Reden oder einfach zuhören. In einer Gruppe von sechs bis acht Teilnehmern soll dies möglich sein.

„Wir wollen Fachreferenten in die Runden holen“, so Bärbel Riep. Trauernde, die die Gruppe mitgründen wollen, können sich bei ihr montags bis freitags bis 19 Uhr, sonnabends bis 18 Uhr melden; Tel. (01 51) 16 26 67 44 oder briep@paritaet-lsa.de.

Von Katja Lüdemann

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