Von Woche zu Woche

salzwedel.de – Nicht die Bohne interessant

Wenn man die Stadthomepage www.salzwedel.de anklickt, gibt es ein „Willkommen“ und dann unter „Aktuelles“ zwei Meldungen. Eine besagt, dass das Bürgerbüro am 22. Oktober geschlossen ist. Die andere, dass der Behindertenbeauftragte eine Sprechstunde abhält. Dann kommen Bilder.

Foto 1: Die Oberbürgermeisterin befördert Feuerwehrleute.

Foto 2: Die Oberbürgermeisterin ist bei der Industriegewerkschaft zu Gast. Es folgen Fotos mit Beiträgen über den 60. Geburtstag von Sabine Danicke und ihren Aufenthalt beim Nysmarkt.

Das interessiert den Salzwedeler wohl eher nicht. Jedenfalls nicht auf der Startseite. Nichts gegen die Sprechzeit des Behindertenbeauftragten, aber ist das wirklich die zweitwichtigste Meldung auf der Startseite? Wollen Touristen die Oberbürgermeisterin auf jedem Foto sehen? Nein, ganz bestimmt nicht.

Da hat der SPD-Fraktionschef im Stadtrat, Norbert Hundt, schon Recht, wenn er sagt, dass diese Seite und deren mobile Handy-Version „eine reine Website für die Oberbürgermeisterin, nicht für die Stadt“ ist. Da begleiten also Mitarbeiter aus dem Rathaus Sabine Danicke überall hin und fotografieren sie, schreiben einen Beitrag und stellen ihn online. Ist das wirklich wichtig? Und vor allem: nötig? Haben die nichts Besseres zu tun?, fragt sich der Besucher von www.salzwedel.de automatisch.

Andererseits hat die Hansestadt, die doch so auf Tourismus setzt, noch immer keine eigene App. Heutzutage hat fast jeder ein Smartphone. Wenn ich in einer fremden Stadt oder Gegend bin, schaue ich zuerst auf deren App, um herauszufinden, was ich mir dort anschauen kann. Ich will mir mit der App Lust machen, die Stadt zu erkunden.

Susann Meinecke (Fraktion SPD/„Für Salzwedel“) hat in dieser Woche gesagt, es sei „ignorant“ von der Stadtverwaltung, dass die Salzwedel-App immer noch nicht fertig ist. Sie fordert, wie viele andere auch, eine richtige App und keine Website-Version fürs Handy. Sogar Oebisfelde hat so eine App, Stendal natürlich auch. Und Großstädte sowieso. Seit zwei Jahren redet man im Stadtrat über die Salzwedel-App. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: zwei ganze Jahre!

Anbieter aus Salzwedel wurden gar nicht erst an der Ausschreibung beteiligt. Diejenigen, die sich in der Stadt auskennen und wüssten, worauf es ankommt. Nein, eine Firma aus Merseburg soll die Stadthomepage auf Vordermann bringen und eine App erstellen. Für 24 000 Euro.

Bis zum Jahresende soll es die App nun geben. Zeit wird es auch. Und wie viele Querelen und Diskussionen hat es deswegen nun wieder gegeben, die der Stadt gar nicht gut zu Gesicht stehen. Aber am Ende zählt das Ergebnis. Hoffen wir, dass die Merseburger eine ordentliche App anbieten und die Stadthomepage so überarbeiten, dass sie für den Salzwedeler und den Touristen interessant wird.

Dann haben die Mitarbeiter im Rathaus auch wieder mehr Zeit, weil sie die Oberbürgermeisterin nicht zu ihren Terminen begleiten, fotografieren und Beiträge für das Internet schreiben müssen ...

Von Ulrike Meineke

Rubriklistenbild: © Agenturen

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