Lüdelsener wegen Bedrohung und Verstoß gegen das Waffengesetz vor Gericht / Aussagen verwirren Beteiligte

Mit der Walther von Opa Walther bedroht

klü Salzwedel. Heillos verwirrt schienen alle Beteiligten im Salzwedeler Amtsgericht bei der Verhandlung gegen einen 27-Jährigen Lüdelsener und der Rekonstruktion des Tathergangs.

Der Angeklagte soll im Oktober 2014 seine Exfreundin mit einer Waffe bedroht und genötigt haben, für die er keinen Waffenschein besaß.

Im Gericht

Der gelernte Fleischfachverkäufer war von seiner damals schwangeren Exfreundin (23) spät in der Nacht zu ihrem Elternhaus in Altensalzwedel zitiert worden. Die Arbeitslose wollte mit dem Vater ihres Kindes die gemeinsame Zukunft besprechen. „Wir sind zu den Silos im Dorf hochgelaufen, weil er Angst vor meinen Eltern hat“, so die Zeugin.

Dort soll der Angeklagte eine Walther PPK Schreckschusspistole gezogen und diese auf seine Exfreundin gerichtet haben. „Das stimmt so nicht. Wir haben uns nur unterhalten. Ich habe zwar eine Waffe, ein Erbstück von meinem Opa Walther, aber die ist zu meinem Selbstschutz, weil meine Exfreundin mir gedroht hat, sie würde mir die Devils auf den Hals hetzen“, erzählte der Lüdelsener. Warum die Angeklagte anschließend auch noch in das Auto des Angeklagten gestiegen war und mit diesem durch die Gegend gefahren sei, sorgte auf allen Seiten für Erstaunen.

Für Verwirrung sorgte die Aussage des Opfers, als sie zugab, dem Angeklagten noch ein Alibi verschaffen zu haben. „Ich habe ihm angeboten, dass ich ihm schreibe, wo er bleibt und er sollte mir später zurück schreiben, er sei eingeschlafen.“ Warum die 23-Jährige, die mittlerweile mit ihrem neuen Lebenspartner in Brandenburg wohnt, am nächsten Tag den Vorfall doch noch zur Anzeige brachte, konnte sie nicht erklären. Später zog sie in einem Brief ihre Anzeige erneut zurück

In Folge ihrer Aussage bei der Polizei kontrollierten die Beamten die Wohnung und den Wagen des Angeklagten. Für Erstaunen sorgten dabei die im Pkw gefundenen Sachen. Neben Patronen, einem Küchenmesser und einem mit Stoff umwickelten Hammer wurden auch mehrere Kabelbinder, Einweghandschuhe, eine Sturmhaube und zwei Flaschen Spiritus gefunden. Der Angeklagte gab an, all diese Sachen für seinen Wagen gebraucht zu haben.

In Absprache ließen Verteidigung und Staatsanwaltschaft den Vorwurf der Nötigung fallen, da der Tathergang nicht einwandfrei geklärt werden konnte. Für den unerlaubten Waffenbesitz muss der Lüdelsener nun eine Geldstrafe von 600 Euro zahlen. Die Walther wurde durch die Staatsanwaltschaft einbehalten. „Es ist gut, dass die Waffe eingeschmolzen wird“, fasste die Staatsanwältin am Ende zusammen.

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