Verwaltung muss Federn lassen

Vize-Bürgermeister Vogel schreibt seinem Nachfolger stramme Arbeitspläne ins Hausaufgabenheft

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In Bürgercenter und Rathaus soll Personal abgebaut werden.

Salzwedel. Salzwedels amtierendes Stadtoberhaupt, Andreas Vogel, schreibt seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin stramme Arbeitspläne ins Hausaufgabenheft.

Nachdem der Vize-Bürgermeister bereits Kämmerin Hella Jesper ins Ordnungsamt versetzt hat und sich dessen Chef, Olaf Meining, als Kämmerer geholt hat, geht Vogel nun ans Eingemachte. „Die Verwaltung möchte in den kommenden sieben Jahren mindestens zehn Prozent ihres derzeitigen Personalbestandes abbauen“, formuliert Vogels Sprecher Andreas Köhler vorsichtig.

Im Klartext heißt das, dass in der nächsten Bürgermeister-Legislatur (sieben Jahre) jeder zehnte Stadtmitarbeiter seinen Hut nehmen soll. Aktuell sind dort 150 Bedienstete inklusive Bauhof, Feuerwehr, Schulen, Tierpark, Forst, Stadion und Bäder beschäftigt. Davon sind 99 Männer und Frauen in der Kernverwaltung tätig. Der Kita-Eigenbetrieb zählt als selbstständiges Unternehmen nicht zur Stadtverwaltung.

Zusammen mit der unlängst eiligst vorgelegten Eröffnungsbilanz, auf die der Stadtrat bislang immer wieder vertröstet worden war, sind das einschneidende Sparmaßnahmen, die den abgestürzten Haushalt wieder auf ein erkleckliches Niveau heben sollen. Denn de facto ist die Stadt zwar nicht pleite, in Salzwedel ist nur kein Geld mehr in der Kasse.

Bis zum Jahresende sollen die Schulden der Hanse- und Baumkuchenstadt noch um eine weitere Viertelmillion Euro auf knapp über 21 Millionen Euro abgebaut werden. Um jedoch weiter liquide zu bleiben, sprich: Rechnungen bezahlen zu können, soll der Überziehungskredit auf elf Millionen Euro heraufgesetzt werden (wir berichteten). Mit dem Schrumpfen der Verwaltung im Rathaus setzt auch Andreas Vogel auf Anpassung: schmaler Geldbeutel – schlanke Verwaltung. Der Personalabbau ist zugleich auf den auch weiterhin zu erwartenden demografischen Wandel ausgerichtet, wie Stadtsprecher Köhler deutlich macht: weniger Bürger – weniger Verwalter. Nun ist der Vize-Bürgermeister nicht der Mann, der seine Leute auf die Straße setzt. Kann er auch gar nicht. Deshalb soll der Personalabbau „vorrangig“ über Abgänge und Altersteilzeit erfolgen. Freiwerdende Stellen stehen somit nicht zur Neubesetzung an. Doch auch das ist kein Dogma, das der Vize-Bürgermeister vorgibt, denn wichtige Posten müssen nachbesetzt werden. Dass bedeutet auch für junge Menschen, die eine Lehrstelle bei der Stadtverwaltung ergattern konnten, dass für sie weiterhin Möglichkeiten der Übernahme bzw. Qualifizierung vorhanden sind, bleibt Andreas Köhler optimistisch. Macht aber deutlich: „Es war jedem klar, dass bei dieser Haushaltslage etwas passieren musste.“ Nun hat der Vize-Bürgermeister gehandelt. Der Vorschlag kam von ihm – also aus der Verwaltung – und nicht aus dem Stadtrat, erfolgt aber in „enger Abstimmung mit den Fraktionsvorsitzenden“, wie Pressesprecher Köhler mitteilt. „Es wird Schritte geben“, hatte Stadtchef Andreas Vogel im Oktober dem Stadtrat auf Grund der finanziellen Misere angekündigt. „Und der Personalabbau ist einer davon“, kommentierte sein Sprecher Andreas Köhler.

Von Holger Benecke

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