Forensik hautnah

Kriminologe Benecke verwandelt Salzwedeler Kulturhaus in "Leichenhalle"

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Das Salzwedeler Kulturhaus war ausgebucht. Alle lauschten gespannt dem Forensiker und Maden-Experten Mark Benecke.

Salzwedel. Nachts in Rumänien – Die Kälte überzieht den Friedhof. Grabkammern liegen eng gesäumt nebeneinander. Kaum zu erkennen sind die schwarz erscheinenden Kreuze. In der Dunkelheit nähern sich Mitglieder einer Familie dem Dorffriedhof.

Für Fotos und Autogramme blieb genug Zeit. Mark Benecke bewies immer ein offenes Ohr für Fragen der Zuschauer. Mit seinem Smartphone porträtierte er selbst seine Fans für sein Album.

Sie tragen Schaufeln in den Händen und bleiben vor einem Grab stehen. Der 76-jährige Peter Toma ist vor wenigen Wochen, direkt am Weihnachtsfest, gestorben. Die Familie möchte sein Herz verbrennen – Er ist zum Vampir geworden.

Der Forensiker und Maden-Experte Mark Benecke kam am Donnerstagabend ins Salzwedeler Kulturhaus. Er klärte über Vampir-Mythen auf.

Der Zuschauersaal war prall gefüllt. Mit Spannung erwarteten die Anwesenden den Vortrag von Dipl.-Biol. Dr. rer. medic. M.Sc., Ph.D. Mark Benecke. Er ist auf der ganzen Welt in Sachen Forensik unterwegs. Bei Fällen wie dem mutmaßlichen Schädel von Adolf Hitler und dem Vergewaltiger Luis Alfredo Garavito Cubillos war er mit dabei.

Immer mit dabei: Fauchschaben aus Madagaskar – Mutige Zuschauer konnten sie auf ihre Hände nehmen.

Nicht nur anhand des konkreten Fallbeispieles von Peter Toma zeigt er, dass es keine Vampire und Untote geben kann. Warum trinken Vampire überhaupt Blut? Menschen bestehen zu 65 Prozent aus Wasser. Bei einer Leiche bahnnen sich die Körperflüssigkeiten einen Weg nach draußen. Sie mischen sich und verfärben sich rot, durch das Blut. Die größte Öffnung ist der Mund. Folglich ist es einfach zu erklären, dass das Blut am Gesicht runter läuft. So entstand der Mythos des Bluttrinkenden Untoten. Warum hat Fausts Mephisto Linien auf der Stirn? Oder Bram Stokers Dracula lange Fingernägel? Mit Beneckes Erläuterungen werden Aberglauben aus Literatur, Film und Fernsehen zerstört.

Die detailgetreuen Bilder von Leichen regen zum tiefen Durchatmen an. Bei einigen Zuschauern schlagen die Fotos auf den Magen. Mit Witz und Charme („Jeder wird irgendwann so aussehen“) macht Mark Benecke die Fotos zu den normalsten Dingen der Welt. Das ernste Thema wird zur lockeren Abendunterhaltung. Die Fauchschaben aus Madagaskar dürfen nicht fehlen. Seine Freundin Ines Fischer setzt sie jedem tapferen Zuschauer in der Pause auf die Hand. Sie schrieb zusammen mit Mark Benecke das Buch „Vampire unter uns“ und befasst sich neben Leichen mit dem Okkulten.

Fans hatten genug Gelegenheit, sich mit Autogrammen zu versorgen. Svenja Neubauer aus Wolfsburg konnte den größten Fan vom berühmten Kriminalbiologen leider nicht mitbringen. „Ich habe eine fünfjährige Tocher, die ein Riesenfan ist“, sagte die stolze Mutter. Angst vor Vampiren braucht sie nun nicht mehr zu haben.

Von Ann-Kathrin Rohmann

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