Schimmel kriecht die Wände hoch / Stadt fühlt sich nicht zuständig / Staatsanwaltschaft ermittelt

Südbockhorner schalten Justiz ein

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Südbockhorn-Anlieger Anke (v.l.) und Hermann Horenburg (Nr. 9), Reinhard Hinz vom Deutschen Sozialrechtsverband am Bundessozialgericht Kassel und ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht Schwerin, Gudrun Wicht (Nr. 7) und Joanne Bojar (Nr. 5) haben bei der Staatsanwaltschaft Stendal Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung erstattet.

Salzwedel. Das Wasser steigt die Wände hoch, Tapeten werfen Blasen, lösen sich, Paneele drückt es von der Wand, Schimmel bildet sich, es stinkt und das Fachwerk senkt sich ab. Die Bewohner mehrerer Häuser am Südbockhorn bangen um ihre Gesundheit.

Seit einem Jahr sind die Probleme massiv. Niemand hilft ihnen – die Stadt fühlt sich nicht zuständig.

Bauamtsleiterin Martyna Hartwich hat sich die Situation bereits angesehen. „Da dies eine private Angelegenheit ist, welche die Hauseigentümer betrifft, ist bereits damals der Rat gegeben worden, einen Gutachter einzuschalten. Auf diese Empfehlung wird erneut hingewiesen“, war aus dem Rathaus zu hören. Die Anlieger sehen das ganz anders und haben die Nase voll von guten Ratschlägen. Sie brauchen dringend Hilfe. Gudrun Wicht (Südbockhorn Nr. 7), Bruno Tescher (Nr. 6), Anke Horenburg (Nr. 9) und Joanne Bojar (Nr. 5) haben bei der Staatsanwaltschaft Stendal Strafanzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung eingereicht. Vorerst gegen unbekannt.

Dass das seit einem Jahr massiv in ihre Häuser drückende Wasser ihre Sache ist, bestreiten sie. „Wir haben sämtliche Leitungen und Rohre erneuert“, macht Hermann Horenburg deutlich. Wenn das Wasser aus einem der Häuser – Stichwort Rohrbruch – kommen würde, wäre das schon an der Wasserrechnung aufgefallen.

Zudem sind Grundstücke beiderseits des Südbockhorns betroffen.

Für die Anlieger steht fest: Die Brühe kommt von außen. Und sehen damit die Stadt in der Verantwortung, denn das Wasser drückt aus dem öffentlichen Bereich in ihre Grundstücke. Woher, das lässt sich nur mutmaßen. Es könnte ein alter Umfluter sein, der den Südbockhorn querte und ähnlich wie die Alte Jeetze zugeschüttet wurde. Da dies kein gewachsener Boden ist, könnte sich das Wasser durch verschiedene Meliorations- und Bodenverdichtungsmaßnahmen wieder seinen alten Weg gesucht haben, vermuten die Anwohner und blicken auch in Richtung Tiburtiusgraben und Kronsberg. Doch dass mittels eines teuren Gutachtens auf ihre Kosten nachweisen zu lassen, sehen sie nicht ein.

Alle Versuche, mit der Stadt auf einen Nenner zu kommen – selbst über einen Rechtsanwalt – sehen sie als gescheitert an, weil die Verwaltung nicht von ihrem Standpunkt „Hauseigentümer-Angelegenheit“ abrückt. Nun wehren sie sich mit der Anzeige. Und weisen darin auch auf andere verfolgbare Straftaten wie die fahrlässige Gefährdung schutzbedürftiger Gebiete hin.

Von Holger Benecke

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