Speicher-Besitzer von Plänen überrascht / Denkmalschutz soll fördern

Stadt Salzwedel will Miete sparen: Archiv zurück ins Rathaus

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Steffen Langusch im neuen Domizil an der Ackerstraße. Der Speicher bietet nicht nur die nötige Standtfestigkeit für die schweren Akten, sondern auch das richtige Raumklima.

Salzwedel. „Das geht auf Dauer nicht“, nutzte Stadtrat Holger Lahne den KultTour-Eigenbetriebsausschuss, um das Mietverhältnis für das Stadtarchiv zu thematisieren.

Pro Jahr werden 20 000 Euro überwiesen, damit das Speichergebäude an der Ackerstraße genutzt werden kann. Der Umzug war vor allem nötig, weil sich in den ursprünglichen Räumen im Rathauskeller Schimmel ausbreitete.

Dieser Bereich soll saniert werden, wie Bürgermeisterin Sabine Blümel beim Ausschuss am Montagabend informierte. „Wenn wir flüssig sind“, schränkte sie allerdings ein, dass zunächst das Geld dafür vorhanden sein muss. Im Zuge der vorgesehenen Haushaltsdiskussion soll dieses Projekt zur Sprache kommen. Zunächst gilt es Fördermittel zu beantragen. Sabine Blümel setzt dabei auf den Denkmalschutz. Wenn die Räume wieder in Ordnung sind, könnte der Rückzug erfolgen.

Ein Problem lässt sich trotz Sanierungspläne aber wohl nicht lösen: Die alten Räume reichen vom Platz her nicht aus, darum wurde das Bürgercenter mitgenutzt. Im vergangenen Jahr gab es von der damaligen Oberbürgermeisterin Sabine Danicke die Idee, einen Neubau auf dem Ruinengrundstück an der Altperverstraße 17 zu errichten.

Auch im jetzigen Domizil an der Ackerstraße musste bereits mehr Platz geschaffen werden, als zunächst vorgesehen war. Über 200 Quadratmeter sind nötig. Der Speicher wird seit Juni 2015 genutzt, der Umzug kostete rund 8000 Euro. Archivar Steffen Lan-gusch fühlt sich dort, wie er mehrfach betonte, wohl. Zwischenzeitlich wurde offen darüber diskutiert, dass Gebäude als Dauerlösung für das Stadtarchiv zu nutzen.

Speicher-Vermieter Christoph Heinrigs zeigte sich gestern überrascht von den aktuellen Plänen, dass das Archiv wieder umziehen soll. Mit ihm hatte darüber noch niemand gesprochen. Er erfuhr von der Blümel-Idee von der AZ. „Ich habe einen Mietvertrag über fünf Jahre, ein Jahr ist rum“, sagte Heinrigs. Und weiter: „Verträge gelten unabhängig von der Bürgermeisterwahl.“

Der Salzwedeler Unternehmer ist enttäuscht. So war er der Stadt wo nur möglich entgegen gekommen. Denn der als benötigt gemeldete Platz reichte bei Weitem nicht aus, so Heinrigs. Er hat inzwischen auch schon weiteren Raum für das Archiv vorausschauend bereitgestellt, der der Stadt keinen Cent kostet.

Beim Thema Platz wundert er sich ohnehin, denn einer der Gründe warum das Archiv aus dem Rathaus auszog – neben Schimmelbefall – war die dortige Platznot, erinnert sich Heinrigs. Er versteht den 180-Grad-Schwenk nicht. Und auch nicht, dass man nicht miteinander redet.

Von Christian Ziems und Holger Benecke

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