In Tylsen sorgt das alte Gemäuer derzeit für viele Gespräche / Makler haben Interesse bekundet

Spekulationen über Burgverkauf

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Die alte Tylsener Burg ist als Wahrzeichen des Salzwedeler Ortsteils von besonderem öffentlichen Interesse. Die Anlage ist marode und gilt als eine der ältesten in der westlichen Altmark überhaupt. Nun steht sie vermutlich zum Verkauf.

Tylsen / Salzwedel. Seit Jahren ist das heruntergekommene Anwesen mit der alten Tylsener Burg im Zentrum in einem denkbar schlechten Zustand.

Das marode Gemäuer im nördlichen Teil des Salzwedeler Ortsteils in der Dumme-Niederung gilt als eine der ältesten Burganlagen in der westlichen Altmark.

Baulich in einem katastrophalen Zustand ist vor allem die meterdicke Außenmauer an der Nordseite des Burghauses. Ein ellenbreiter Riss klafft dort. Er droht nach jedem Winter größer zu werden, und die ganze Wand gilt mittlerweile als einsturzgefährdet.

Wie die AZ erfuhr, soll die Burg nun offenbar verkauft werden. Die entsprechenden Eigentümeraussagen sind gegenwärtig Dorfgespräch Nummer eins. Makler haben bereits ihr Interesse bekundet, heißt es. Eigentümer der Burg ist laut Grundbuch Achim Bartel. Der Burgherr verwehrt seit Jahren jedem Unbefugten den Zugang – auch zum angrenzenden Gelände.

Zum Teil zu Unrecht, wie die AZ recherchiert hat. Denn: Der abgesperrte Weg nördlich der Burganlage ist öffentlich. Die Burg selbst ist in privater Hand. Doch die Zusammenarbeit zwischen Besitzer Bartel und den meisten Tylsener Einwohnern gilt als schwierig.

Das betrifft auch die Kommunikation des Burgherren mit dem örtlichen Heimat- und Kulturverein. Experten vermuten, dass im Falle eines tatsächlichen Verkaufs der Burg die Stadt Salzwedel ein Vorkaufsrecht hätte.

An diesen und ähnlichen Spekulationen wollte sich Bürgermeisterin Sabine Blümel auf Anfrage der AZ nicht beteiligen: „Dazu gebe ich keinen Kommentar ab. Die Burg ist Privatbesitz“, so die Tylsenerin. Dennoch: Die alte Tylsener Burg ist als Wahrzeichen des Ortes von besonderem öffentlichem Interesse – und das gerade, weil das Neue Schloss daneben nur noch eine Ruine ist. „Achim Bartel sucht nach einem geeigneten Käufer, der die Burganlage in seinem Sinne weiter erhält“, hieß es aus eingeweihten Kreisen in Tylsen. Ein Makler aus der Region habe dem Burgherrn bereits seine Dienste angeboten. Der Eigentümer und Tylsener Burgherr, Achim Bartel, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die Burg ist zwar marode, doch sie beherbergt unter anderem mehrere bewohnbare Zimmer und wunderbare Gewölbe. Doch leicht und vor allem gewinnbringend zu verkaufen wird das Gemäuer nicht sein. Nur zum Vergleich: Das alte Herrenhaus in Deutschhorst aus dem 18. Jahrhundert ging bei einer Versteigerung für nur 9500 Euro an einen neuen Besitzer. Der denkmalgeschützte Gutsspeicher aus dem 16. Jahrhundert in unmittelbarer Nachbarschaft der Burg konnte mit der Sanierung des Daches immerhin vor dem Verfall gerettet werden.

Die alte Burg in Tylsen wurde nach dem Bau des Neuen Schlosses umgenutzt. 1878 richtete man dort eine Bibliothek ein. Der dortige Buchbestand der Tylsener Familie von dem Knesebeck geht auf die Stiftung Thomas II. zurück.

Fast 4000 Bände beherbergte die adelige Büchersammlung einst. Schwerpunkte der Literatur waren unter anderem Theologie, Geschichte und Jura. Seit dem Dreißigjährigen Krieg wurde diese Sammlung gepflegt und war daher entsprechend wertvoll.

Leider gelangte mit der Enteignung des Gutes nach dem Zweiten Weltkrieg nur ein kleiner Teil der Bücher in die Universitäts- und Landesbibliothek nach Halle / Saale. Viele Werke sind in den Nachkriegswirren verschollen oder unwiederbringlich verloren gegangen. Kürzlich tauchten uralte Gesangsbücher der Knesebecks aus dem Jahr 1690 beim Sohn eines Lehrers in Stöcken bei Wittingen auf (wir berichteten). Einst standen sie in den Bücherregalen der alten Tylsener Burg.

Von Kai Zuber

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