Notfall: Nicht immer ist das Verlassen des Gebäudes sinnvoll

Die Schule kann Schutz bieten

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Thomas Schlicke am Plan mit allen Rettungswegen der Lessing-Schule. In der Bildungsstätte werden derzeit 370 Schüler unterrichtet.

Salzwedel. Die Klingel schrillt, Kinder und Lehrer verlassen zügig das Gebäude: Dies kennt wohl jeder von Übungen aus seiner Schulzeit. Das Vorbereiten für außergewöhnliche Ereignisse endet aber längst nicht mit einer zügigen Evakuierung.

Ein Leitfaden des Landes soll den Bildungsstätten nun zusätzliche Hilfe geben.

Heike Hermann mit der Sprechanlage.

An der Lessing-Ganztags- und Gemeinschaftsschule gibt es seit Jahren ein ausgeklügeltes System, das in einem Ordner 30 Seiten füllt und in dem Themen wie Amoklauf, Feuer sowie Naturkastrophen aufgegriffen werden. Dies beginnt mit regelmäßigen Kontrollen des Gebäudes. „Dabei wird unter anderem überprüft, ob die Rettungswege alle frei sind. Es kommt schon mal vor, dass zum Beispiel Blumenkübel verschoben werden müssen“, unterstrich Vize-Schulleiter Thomas Schlicke im AZ-Gespräch. Außerdem wird beim Auslösen der Brandmeldeanlage die Leitstelle alarmiert. Die Schule kann aber auch Schutz bieten. Bei einem Sturm oder Orkan, der Dächer abdeckt, ist es drinnen oftmals sicherer. „Über die Sprechanlage, die auch mit der Turnhalle verbunden wurde, können wir schnell informieren, was zu tun ist“, macht Schulleiterin Heike Hermann deutlich, das Kommunikation einen entscheidenden Faktor darstellt.

Damit möglichst keine Panik ausbricht, gibt es Übungen und feste Abläufe. Einige Lehrer bilden im Ernstfall ein Kriseninterventionsteam. „Es existiert auch eine Telefonkette, falls am Wochenende etwas passiert“, so Heike Hermann. Doch nicht nur große Schadenslagen können zu Krisen führen. „In einer Schule kann es immer Probleme geben“, weiß Direktorin Heike Hermann, dass Konflikte ausufern können. Zum Beispiel, wenn Streitigkeiten zwischen Kindern immer mehr ausufern und dies zum Mobbing werden kann.

„Ich bilde Schüler als Streitschlichter aus. Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht“, so Schulsozialarbeiterin Irene Barth. Der Nachwuchs lernt, wie Streit friedlich beigelegt werden kann. Dabei geht es um grundsätzliche Fragen wie: „Was will ich erreichen und was der Gegenüber? Wie können Kompromisse gefunden werden?“

Ein weiterer Punkt ist ein möglichst ruhiger Unterricht. Wer für Unruhe sorgt, wird in den „Trainingsraum“ gebracht. Dort muss der Nachwuchs gemeinsam mit der Schulsozialarbeiterin oder einer pädagogischen Mitarbeiterin das Problem sowie eine Lösung aufschreiben. Dies wird mit Lehrern und gegebenenfalls mit den Eltern ausgewertet. „Seitdem dies läuft, gibt es weniger Probleme“, erklärt Heike Hermann.

Von Christian Ziems

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