Kritiker fühlen sich bestätigt

Schock nach Nullnummer: Stadträte verdauen geplatzten Bürgerholz-Verkauf

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Das Bürgerholz nördlich von Hoyersburg findet keinen privaten Käufer. Nach der gescheiterten Auktion sucht die Stadtverwaltung nach einer anderen Lösung, denn die erhofften Millionen müssen trotzdem irgendwie in die klamme Stadtkasse fließen.

Salzwedel. Einen Tag nach der gescheiterten Bürgerholz-Versteigerung hatten einige Stadtratsfraktionschefs gestern noch immer damit zu kämpfen. „Das ist bitter, katastrophal“, sagte CDU-Chef Peter Fernitz.

„Traurig“, meinte Salzwedel-Land-Vorsitzender Wolfgang Kappler. Von „Mist“ sprach Norbert Hundt, Fraktion SPD / „Für Salzwedel“.

Fernitz, Kappler und Hundt waren sich unabhängig voneinander einig, dass durch die große Aufmerksamkeit im Vorfeld und die Proteste etwa durch den BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) potenzielle Käufer abgeschreckt worden seien. Interessenten hat es genug gegeben, erfuhr die AZ aus anderer Quelle.

Norbert Hundt sieht nun eine fast bedrohliche Situation für die Hansestadt, denn die Millioneneinnahmen aus dem Bürgerholz-Verkauf seien fest eingeplant gewesen. „Beängstigend, aber auch hausgemacht“, so Hundt. Das Handeln des BUND nannte er „verantwortungslos“.

Peter Fernitz will abwarten, was die Gespräche zwischen Bürgermeisterin Sabine Blümel am kommenden Dienstag mit verschiedenen Ministerien in Magdeburg bringen. „Wichtig ist, dass wir nicht in die Zahlungsunfähigkeit abrutschen“, so der Politiker.

„Die große Unruhe im Vorfeld fällt uns auf die Füße“, erklärte Wolfgang Kappler. Er geht davon aus, dass Sabine Blümel die Fraktionschefs bei der nächsten gemeinsamen Runde über den aktuellen Verhandlungsstand unterrichtet. „Dann sehen wir weiter“, meinte der Chef von Salzwedel-Land gestern. Es sei „ein langer, langer Weg“.

Nils Krümmel, Chef der Freien Fraktion, wiederholte seine Worte aus einer zurückliegenden Stadtratsversammlung: Der Waldverkauf als solcher sei nicht schlecht, aber man hätte zuerst mit dem BUND reden sollen.

Christian Franke (Grüne) sagte unterdessen: „Jetzt muss die Stadt endlich in ernsthafte Verhandlungen mit Land und Umweltministerin Claudia Dalbert treten, damit es überhaupt Geld gibt.“ Sein Fraktionschef Martin Schulz erklärte zur AZ: „Sie sehen mich nicht feiern. Ich wollte, dass der Wald weggeht, aber nur zu einer essentiellen Bedingung: Bewahrung des Naturraumes.“ Nun müsse man sehen.

Ute Brunsch (Linke) schließlich ist gespannt darauf, wie die Ministerien auf den Besuch der Salzwedeler Bürgermeisterin reagieren. Sollte es dort kein gutes Ergebnis geben, „würden die Konsequenzen furchtbar sein“.

Von Jens Heymann

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