Blitzeinschläge, Verletzte und schließlich Abbruch - Paul Hiersche berichtet vom Chaos-Festival

Salzwedeler war bei Rock am Ring: „Schlamm ohne Ende“

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Paul Hiersche aus Salzwedel hat das stürmische „Rock am Ring“-Festival in Mendig überstanden. Die mit Schlamm bedeckte Hose zeugt von den dortigen Ereignissen.

Salzwedel / Mendig. „Wir wussten, dass es wettertechnisch schwierig werden würde“, sagt Paul Hiersche aus Salzwedel rückblickend. „Rock am Ring" auf dem Flugplatz Mendig (Rheinland-Pfalz) wollten er und seine Bekannten aber dennoch nicht verpassen.

Immerhin 163 Euro hatten sie pro Eintrittskarte bezahlt. Dass es allerdings so extrem werden würde und schließlich sogar abgebrochen werden musste, das konnte der 26-Jährige nicht ahnen.

Nach leichtem Regen am Donnerstag zeigte sich der Freitag zunächst sonnig und warm, berichtet Paul Hiersche. Ein schöner Abend mit Musik im Freien. Doch als die Band Tenacious D loslegen will, gibt es eine Unterbrechung und dann eine Ansage: Die Besucher sollen sich von metallischen Gegenständen entfernen. „Wir haben uns umgedreht und die schwarze Wand auf uns zukommen sehen“, erinnert sich der Salzwedeler. Kurz danach eine zweite Ansage: Die Besucher sollen sich zu ihren Zelten begeben. Paul Hiersche und die anderen schaffen es nicht. Sie setzen sich auf eine freie Fläche und lassen den Regen über sich ergehen. Panik bringe nichts, sagen sie sich.

Schlamm so weit das Auge reicht. Rechts im Hintergrund sind Einsatzkräfte zu sehen, die an diesem Wochenende viel zu tun hatten.

Zwei-, dreimal zucken Blitze, und es knallt gewaltig, so der 26-Jährige. Was er nicht weiß: Ein Stück weiter sind Dutzende Menschen durch einen der Blitz verletzt worden. Als das Festival etwa 90 Minuten später fortgesetzt werden soll, erhält Paul Hiersche einen Anruf: Sein Zelt steht unter Wasser. Schlafen war dort nicht mehr möglich. Der 26-Jährige kommt bei der Notfallseelsorge unter. Die Veranstaltung geht am Sonnabend erst abends weiter. Bis dahin heißt es: Sachen trocknen. „Schlamm ohne Ende“, erinnert sich Paul Hiersche an das Festivalgelände. Trotzdem kommt noch einmal richtig Stimmung auf. Doch kurz nach den Red Hot Chili Peppers gegen 3 Uhr ist Schluss. Der Veranstalter sagt den letzten Festivaltag ab.

Die Abreise am Sonntag ist ebenfalls chaotisch. „Vier Stunden lang ging es nicht vorwärts“, so Paul Hiersche.

Von Jens Heymann

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