Karl Emil Schernikow machte einst das Gebäck groß / Viele Spenden für Kinder / Grab mittlerweile zugewachsen

Salzwedels vergessener Baumkuchenkönig

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Das Grab (schwarzes Kreuz) des einst größten Salzwedeler Baumkuchenfabrikanten Karl Emil Schernikow und das seiner Frau Bertha auf dem Neustädter Friedhof an der Lüneburger Straße lässt sich aufgrund des Gebüschs nur erahnen. 

Salzwedel. Wer war Karl Emil Schernikow? Noch vor einigen Jahrzehnten wusste dies wohl jeder Einwohner der Region. Heutzutage ist der im Januar 1930 Verstorbene allenfalls noch Geschichtskennern ein Begriff.

Dabei ist die Sache erstaunlich: Eine Stadt, die sich so mit dem Baumkuchen identifiziert und ihn sogar im Titel trägt, kennt den größten Bäckerei-Unternehmer seiner Zeit nicht mehr.

Der Grabstein wird mittlerweile auch für einen anderen Verstorbenen verwendet, dessen Grabplatte rückseitig befestigt und wesentlich besser zu erkennen ist.

„Kann man diesen Salzwedeler nicht besser ehren?“, fragt sich deshalb Heimatforscher Manfred Lüders. Damit bezieht er sich vor allem auf das Grab von Karl Emil Schernikow auf dem Neustädter Friedhof an der Lüneburger Straße. Dieses ist zwar vorhanden, aber nicht ohne Weiteres zu erkennen. Denn ein dickes Gebüsch wächst darauf. Und nicht einmal der Grabstein gehört ihm und seiner Frau Bertha allein: Auf der Rückseite ist die Gedenkplatte eines anderen Verstorbenen angebracht worden. Ein Schattendasein für einen zu Lebzeiten so spendablen Einwohner.

Karl Emil Schernikow.

Der 1846 in Hamburg geborene Schernikow, Enkel des Salzwedeler Baumkuchenurvaters Johann Andreas Carl Daniel Schernikow, war eigentlich schon nach Nordamerika ausgewandert. Dort erfuhr er zufällig aus einer Zeitung, dass er womöglich das Erbe seiner Familie antreten könnte. Dies führte ihn zurück nach Salzwedel. Doch vor Ort die Enttäuschung: Ein anderer Verwandter hatte bereits alles geerbt. So gründete Karl Emil Schernikow sein eigenes Unternehmen an der Großen Sankt-Ilsenstraße. Das Haus existiert heutzutage allerdings nicht mehr; dort steht mittlerweile die hiesige Zentrale der Volksbank Uelzen-Salzwedel.

Die Fabrik von Karl Emil Schernikow produzierte laut Heimatforscher Manfred Lüders um die 10 000 Baumkuchen pro Jahr. Damit sei sie die größte der damaligen Zeit in der Stadt gewesen.

Dass die Salzwedeler Spezialität so bekannt wurde, dürfte also zu einem erheblichen Anteil Schernikow zu verdanken sein. Er hatte zu Lebzeiten außerdem den Status eines königlichen Hoflieferanten, wie auf dem zugewachsenen Grabstein an der Lüneburger Straße noch immer zu lesen ist.

Der Unternehmer kam durch den Baumkuchen zu viel Geld. „Er war im Prinzip der bekannteste und wohltätigste Salzwedeler seiner Zeit“, meint Manfred Lüders.

Karl Emil Schernikow teilte seinen Reichtum. Gelder flossen in den Bau des ehemaligen Reichswaisenhauses an der Schillerstraße, in das Gebäude am Ilsenplatz, wo sich die Kindertagesstätte „Am Feuerwehrplatz“ befindet. Schernikow gab zudem Bilder für die Aula des Lyzeums, des heutigen Kunsthauses. Diese Werke gelten jedoch als verschollen.

Von Jens Heymann

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