Landverlust am „Wodka-Bogen“

Wie Sachsen-Anhalt 1945 wegen eines Trinkgelages mit dem Harper Bogen einige Hektar verlor

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Eine überlieferte Legende ist mit der Entstehung des Grenzverlaufes am so genannten Harper Bogen verbunden: 1945 sollen Bauern bei einem Trinkgelage ihre Finger dabei im Spiel gehabt haben.

Altmark / Salzwedel. Warum und wie genau das Land Sachsen-Anhalt 1945 wegen eines Trinkgelages mit dem Harper Bogen einige Hektar Land an das benachbarte Niedersachsen verlor, das wissen heute nicht mehr allzu viele Menschen.

„Und die, die sich noch erinnern können, werden alt und sterben“, sagt Dietrich-Wilhelm Ritzmann, Chef des Grenzlandmuseums „Swinmark“ im Schnegaer Ortsteil Göhr. Ritzmann zeigt auf der alten Ostkarte auf eine merkwürdige Beule in der ansonsten geraden Grenzlinie.

Die Anwohner in der Region sprechen hierbei vom „Wodka-Bogen“. „Die damaligen Bauern aus Harpe und Umgebung haben 1945 mit den Alliierten der Grenzkommission so lange gesoffen, bis um ihre Besitzungen, Wiesen und Äcker ein Bogen gemacht wurde und sie im Westen bleiben konnten“, erklärt Ritzmann.

Die Argumente des Museumsleiters sind in der Tat einleuchtend: Die Engländer und Russen konnten den genauen Grenzverlauf am Harper Mühlenbach nur erahnen. Konkret waren sie auf die Hinweise der Bauern angewiesen. „Auf dem Bauernhof Gerken kam die Grenzkommission dann zusammen. Die Bauern tafelten ordentlich auf. Es gab Schluck, Bier, Schinken und Braten bis zum Umfallen“, erzählt der Museumschef.

Die Grenzziehung auf der Karte wurde mit Stempel besiegelt. Danach floss noch einmal ordentlich Alkohol. „Zu fortgeschrittener Stunde wurde dann der Grenzverlauf aber noch einmal zu Gunsten der Harper Bauern geändert und alles mit einem Original-Siegel beglaubigt“, so der Grenzexperte weiter. Dies haben die Landwirte offenbar selbst besorgt, als die Grenzkommission bereits unter den Tischen lag. Übrigens: In den 1980er-Jahren wurde die Grenze am Harper Bogen noch einmal vermessen. „Entweder hat man den Fehler damals nicht bemerkt oder ein Auge zu gedrückt“, so Dietrich-Wilhelm Ritzmann. Der eigentliche Grenzverlauf zwischen Hannover und Preußen ist uralt und noch immer sichtbar: In der Mitte der Straße zwischen Dahrendorf und Harpe.

Von Kai Zuber

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