48-jähriger Kerkauer betreibt eine Drogen-Plantage im Keller / Rund 4000 Euro mit Handel verdient / Strafe zur Bewährung ausgesetzt

„Riechen das Marihuana doch schon beim Wachsen“

klü Salzwedel. Über drei Kilogramm Marihuana hatten Polizeibeamte im November 2015 in der privaten Hanfplantage im Haus des angeklagten Kerkauers gefunden. Nun musste sich der 48-Jährige vor dem Schöffengericht verantworten.

Im Gericht

Weil seine 15-jährige Tochter etwas aus den Marihuana-Vorräten ihres Vaters entwendet und mit einer Freundin geraucht hatte, flog die Indoor-Plantage im Arendseer Ortsteil überhaupt erst auf. Die Freundin der Tochter verriet ihren Eltern, woher das Gras gekommen war, und diese informierten die Polizei.

„Das ist eine sehr schlampige Anlage, die wir hier zu Gesicht bekommen“, fasste Richter Klaus Hüttermann zusammen, als die Beweisfotos vor Gericht gezeigt wurden. Zwischen Gerümpel, Müll und Dreck hingen die Pflanzen zum Trocknen, in Plastikeinkaufstüten und Zigarettendosen lagerte der Arbeitslose seine Ernte – im Haus verteilt.

„Ich habe mir 2014 das Bein gebrochen, war auf Schmerzmitteln und wollte nicht abhängig werden“, erzählte der Angeklagte. In einer Fernsehsendung habe er gehört, dass Marihuana zur Schmerztherapie eingesetzt werden könnte. „Ich wollte aber nicht in die Drogenszene abrutschen und das irgendwo kaufen. Also habe ich es einfach selbst angebaut,“ zeigte sich der Angeklagte stolz vor Gericht. Das Equipment besorgte er sich für 400 Euro über das Internet. Der Stromzähler wurde überbrückt, die Anlage im Keller des Hauses aufgebaut, und die gut 20 Pflanzen wuchsen vor sich hin. Auch draußen züchtete der Angeklagte drei Pflanzen, die eine Höhe von gut zwei Metern erreichen.

„Das hat alles etwas gedauert. Ich war ja noch auf Krücken unterwegs. Und mir war nicht bewusst, dass das so viel wird“, so der Angeklagte.

Im Juli 2015 erntete er das erste Mal. Für seinen Eigenkonsum brauchte er drei bis vier Gramm am Tag. Rund 50 Setzlinge fanden die Beamten bei ihrer Razzia noch im Keller des Hauses in Kerkau.

Einen Handel und Verkauf mit dem Marihuana stritt er aber zunächst noch ab. Die Freunde und Bekannten, die die Polizei beim Angeklagten am Tag der Festnahme antraf, sind gerichtsbekannt. „Die riechen das Marihuana doch schon beim Wachsen“, zeigte sich Hüttermann skeptisch, dass der Angeklagte von seiner Ernte nichts weitergegeben haben will. Nach mehreren Beratungs- und Rechtsgesprächen zeigte sich der 48-Jährige dann doch einsichtig: „Ja, ich habe an Freunde und Bekannte Marihuana verkauft“, gestand der Arbeitslose. Für rund fünf bis sechs Euro pro Gramm gab er das Marihuana weiter. „Pro Monat habe ich zwischen 150 und 200 Gramm verkauft“, so der Angeklagte. „Es war einfach zu viel. Ich wollte auch noch etwas nebenbei verdienen.“

„Das war ein Geständnis mit enorm viel Aufwand“, so Hüttermann. Am Ende wurde der Angeklagte zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, auf drei Jahre Bewährung ausgesetzt, verurteilt. Hinzu kommen 100 Stunden gemeinnützige Arbeit. „Wenn das mit der gemeinnützigen Arbeit nicht funktioniert, wandeln wir sie in eine Geldstrafe um. Sehen Sie das als Denkzettel“, gab Hüttermann dem Angeklagten mit auf den Weg.

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