Salzwedeler Tafel feiert neunten Geburtstag / Hoher ehrenamtlicher Einsatz

Das richtige Händchen für Bedürftige

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Ein Händchen für die richtige Portionierung: Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Tafel sortieren die Waren in die Regale ein. Sie haben den Überblick, wer wie viel bekommt.

Salzwedel. In einem schmalen Gang reiht sich eine kurze Kaufladenzeile an die andere. Auf Gemüse und Obst folgen Milchprodukte, verschiedenste Saucen, Brot und Frühstücksflocken.

Einmal in der Woche verwandeln sich die Räume der Salzwedeler Tafel in der Neutorstraße 55 in eine Einkaufspassage mit kleinen Tante-Emma-Läden. Hinter jeder kleinen Ladenzeile übernehmen ehrenamtliche Frauen Tante-Emma-Job. Denn sie haben den Überblick über den Warenbestand, immer ein Lächeln auf den Lippen und versorgen mit einem Händchen für die richtige Portionierung Bedürftige mit Lebensmitteln.

120 Haushalte finden regelmäßig Hilfe

Heute vor neun Jahren, am 7. Oktober 2005, nahm die Salzwedeler Tafel ihren Dienst auf. Und dennoch haben viele immer noch Hemmungen, das unterstützende Angebot anzunehmen, weiß Susanne Pfaffelhuber vom Diakonischen Werk Altmark West und Leiterin der Salzwedeler Tafel. Viele der etwa 20 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen üben sich seit Eröffnung einmal wöchentlich in der Kunst der Wareneinteilung. Die Zahl der Stammkunden seit damals ist erfreulich gering. „Wir freuen uns, wenn die Leute nicht mehr auf uns angewiesen sind“, erklärt Pfaffelhuber.

Die Kundenzahlen der Salzwedeler Tafel liegen seit neun Jahren – zwischen 100 und 120 Haushalten – auf gleichbleibendem Niveau. Waren es anfangs mehrheitlich Einheimische, die sich ohne die Hilfe der Tafel nicht über Wasser halten konnten, sind aktuell mehr als die Hälfte Flüchtlinge und Migranten, die das Angebot des Diakonischen Werks wahrnehmen.

Das bleibt für die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen nicht ohne Folgen: Sie kämpfen beim Verteilen mit Sprachbarrieren und Missverständnissen. „Die Migranten verstehen nicht was die Tafel ist, weil ihnen die zuständigen Ämter den Sinn nicht erklären. Sie ärgern sich über die Portionierung, über teilweise abgelaufene Produkte und fühlen sich ungerecht behandelt“, erklärt Pfaffelhuber.

Für 1,50 Euro kann sich eine Einzelperson unter den prüfenden Augen der geübten Portioniererinnen die Tüten mit Lebensmitteln vollpacken. Die Waren setzen sich aus Restbeständen, falschen Kalkulationen und Warenumstellungen von Discountern und Supermärkten zusammen. Immer wieder fällt der Tafel-Chefin auf, dass eiweißhaltige Produkte fehlen. „Doch manchmal gibt es auch tolle Sachen, weil die Händler zu viel eingekauft haben“, weiß die Tafel-Leiterin, die sich kürzlich über eine Extraladung Lachs für die Bedürftigen freuen konnte.

Ausgabestelle und Treffpunkt zum Reden

Jeden Tag fahren zwei Fahrzeuge der Salzwedeler Tafel kreisweit hunderte Kilometer und verteilen die Lebensmittel auf die einzelnen Ausgabestellen in Klötze, Gardelegen und Salzwedel. Doch die Routenplanung wird immer schwieriger, da der Tafel ehrenamtliche Fahrer fehlen, erklärt Pfaffelhuber.

Trotz mancher Schwierigkeiten haben die ehrenamtlichen Tafel-Mitarbeiterinnen Spaß an ihrer Tätigkeit. Die Tafel ist nicht einfach nur Lebensmittelausgabestelle, sondern auch Treffpunkt vieler Menschen. Ein Ort, an dem man reden kann und Menschen findet, die zuhören. Die Mitarbeiterinnen lernen die Menschen kennen und nehmen Anteil an deren Leben. Nicht nur die Kundschaft weiß die jahrelange und verbindliche Arbeit der bekannten Gesichter hinter den Tresen zu schätzen, auch Susanne Pfaffelhuber ist froh über diesen hohen ehrenamtlichen Einsatz gegen Armut und Lebensmittelverschwendung.

„Es ist traurig, dass es uns gibt. Aber so lange wir nötig sind und es uns möglich ist, werden wir die Menschen versorgen. Und das ist gut so“, erklärt die Tafel-Chefin.

Von Eva Hahner

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