Sie laufen am helllichten Tag über die Straßen

Ratten: Altstadt bleibt weiterhin Problemzone

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Diese tote Ratte am Salzwedeler Lohteich ist kein Einzelfall: Die Tiere laufen bereits tagsüber über die Straßen, was bei einigen Hansestädtern für Erschrecken sorgt.

Salzwedel. Die Altstadt von Salzwedel bleibt weiterhin eine tierische Problemzone. Denn: Ratten laufen selbst tagsüber über die Straßen, was bei einigen Hansestädtern Besorgnis hervorruft und auch für Touristen kein schöner Eindruck ist.

„Die gesamte Altstadt von Salzwedel ist betroffen. Ich selbst habe die Ratten vor zwei Wochen am helllichten Tag an der Reichestraße die Fahrbahn überqueren sehen. Das war kein schöner Anblick, wenn man sonntags in der Innenstadt gemütlich Kaffee trinken gehen will“, sagt Stadtrat Lothar Heiser (CDU). Der Salzwedeler hat sich bereits vor fünf Jahren zu dem Rattenproblem in der Hansestadt geäußert.

Nur punktuelle Schädlingsbekämpfung

Damals ging es um zugewachsene und zugemüllte Regenauffangbecken. Besonders schlimm waren die Zustände seinerzeit an der Brückenstraße hinter der Bushaltestelle und in Richtung Lernbehindertenschule. „Diese Dreckecken wurden inzwischen beräumt, sodass sich die Zustände dort gebessert haben“, sagte Heiser.

Er macht die steigenden und fallenden Wasserstände der Jeetze, der Verbindungsgräben und der Umfluter mit verantwortlich für die anhaltend hohe Rattenpopulation in der Altstadt. „Wenn bestimmte versteckte Bereiche ständig trockengelegt werden würden, dann hätten wir die Probleme ja gar nicht“, so Heiser. Früher hätten streunende Katzen die Überpopulation der Ratten verhindert, aber in den vergangenen Jahren sind auch frei laufende Katzen weniger geworden.

Lothar Heiser bringt indes vermüllte Keller in verlassenen Häusern und Küchenreste auf innerstädtischen Komposthaufen als Nahrungsgrundlagen für die Schadnager ins Spiel. „Leider werde bei der Schädlingsbekämpfung immer nur punktuell angegriffen“, meint der Salzwedeler. Auch in den Bereichen östlich und südlich der Karl-Marx-Straße sowie der Ernst-Thälmann-Straße gibt es Probleme mit Ratten.

Stadtarchivar Steffen Lan-gusch sucht beim Rattenproblem in der Hansestadt nach historischen Erklärungen: Das Gelände am Lohteich, wo ebenfalls Ratten am Tage beim Überqueren der Straße beobachtet wurden, sei diesbezüglich ein mögliches Rückzugsgebiet der Tiere: In der Nähe befinde sich ein früherer Verbindungsgraben zwischen Stamm-Jeetze und Jeetze-Umfluter. „Unterirdische, zum Teil verrohrte Bereiche der Jeetze, könnten ebenfalls als Rückzugsgebiete dienen“, so Langusch.

Grundsätzlich gilt: Ratten sind nach Paragraf 2 Nummer 12 des Infektionsschutzgesetzes Gesundheitsschädlinge, da durch sie Krankheitserreger auf den Menschen übertragen werden können. In der Regel treten Ratten dort auf, wo sie ausreichend Nahrung, Unterschlupf und Nistmöglichkeiten finden. Sie übertragen gefährliche Krankheiten, auch durch Kot und Urin. Nahrung und Unterschlupf finden die Ratten meist dort, wo Unrat abgelagert wird. Grundsätzlich ist der Grundstückseigentümer, Nutzungsberechtigte und sonstige Besitzer von Grundstücken, Wohn- und Gewerberäumen, Schiffen und anderen Transportmitteln zur Feststellung und Bekämpfung eines Rattenbefalls verpflichtet. Sie haben diesen unverzüglich bei der zuständigen Behörde anzuzeigen.

„Bis heute hat sich wenig geändert“

Um der Plage Herr zu werden, sollten Speiseabfälle nicht achtlos weggeworfen oder offen kompostiert und Essensreste nicht in der Toilette entsorgt werden. Auch Mülltonnen gilt es, sicher zu verschließen.

Vor zwei Jahren rief die Stadtverwaltung die Bürger zu einer gemeinsamen Ratten-Bekämpfungsaktion auf (wir berichteten). „Aber an der Problematik hat sich leider bis heute wenig geändert. Die Ratten sind nach wie vor da“, bemerkt Ratsherr Lothar Heiser.

Von Kai Zuber

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