26-jähriger Brandstifter kommt mit Bewährung davon

Prozess in Salzwedel: Feurige Wut auf den Ex

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Ein Bild der Zerstörung nach dem Brand im März.

mfr Salzwedel. Als Heinrich M. (Name von der Redaktion geändert) das Kissen anzündete, durch das eine Wohnung an der Hansestraße komplett ausbrannte, soll der Angeklagte gelächelt haben.

Ein Detail, dass sein Komplize und Mitangeklagte gestern vor dem Salzwedeler Amtsgericht schilderte. Schwere Brandstiftung sowie fahrlässige Körperverletzung – so lauteten die Vorwürfe gegen die beiden Zündler aus Salzwedel.

Bevor sich die beiden 26-Jährigen im März dieses Jahres auf den Weg zur Hansestraße 25 machen wollen, treffen sie sich, um gemeinsam zu trinken. Doch dann fällt das Thema auf Heinrich M.´s Ex-Freund. Er wird wütend und, von seinem Freund angestachelt, wollen sie dem ehemaligen Geliebten einen Denkzettel verpassen. Erst klingeln sie an der Haustür des Opfers. „Wir wollten ihm auf die Fresse schlagen“, sagt einer der Angeklagten geradeheraus.

Doch die Tür bleibt verschlossen, das Opfer verbringt die Nacht bei einer Freundin. Das Duo lässt dennoch nicht von seiner Idee ab und gelangt nach einigen Bemühungen über den Balkon in die Wohnung im ersten Stock. Zunächst lassen sie ihrer Zerstörungswut freien Lauf, kippen einen Tisch um, räumen Schubladen aus und verteilen den Inhalt im Raum.

Dann nimmt Heinrich M. sein Feuerzeug und zündet ein Kissen an. Mittlerweile piept der Rauchmelder und bevor die jungen Männer in Panik fliehen, entzündet Heinrich M. noch einen herumstehenden Müllbeutel.

Zurück in der Wohnung hat der 26-Jährige mit seinem schlechten Gewissen zu kämpfen. Vom Balkon aus kann er die Rauchsäule sehen, die ein paar Meter weiter aufsteigt. Er entscheidet sich, die Feuerwehr zu rufen und stellt sich noch am Tatort der Polizei. Zu einem Polizisten sagt er: „Ich weiß, was ich getan habe und will dazu stehen.“ Auch sein Freund wird festgenommen, später aber wieder freigelassen. Heinrich M. bekam gestern nach über fünf Monaten in Untersuchungshaft von Richter Klaus Hüttermann mit einer zweijährigen Freiheitsstrafe, zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt, eine zweite Chance.

„Er hat mir gezeigt, wie man die Tür eintritt“

Bevor die beiden Angeklagten vor dem Schöffengericht Platz nehmen konnten, mussten Polizeibeamte die Handschellen lösen. Heinrich M. sitzt für Brandstiftung an der Hansestraße mittlerweile seit fünfeinhalb Monaten in Untersuchungshaft. Sein Komplize ist seit Montag wegen eines weiteren Deliktes hinter Gittern.

Nach seiner Aussage durfte der Komplize den Verhandlungssaal schnell wieder verlassen. Für ihn wurde eine gesonderte Verhandlung beantragt. Der obdachlose Alkoholiker wurde von Heinrich M. als Ideengeber beschrieben. Er soll das Fahrrad besorgt haben, mit dessen Hilfe sie auf den Balkon des Ex-Freundes gelangten, in dessen Wohnung sie später zündelten. „Er hat mir auch gezeigt, wie man die Tür eintritt“, so Heinrich M. Und soll ihn angestiftet haben, das Kissen anzuzünden.

„Ich wollte zeigen, dass ich auch den Mut dazu habe“, soll Heinrich M. einer Sachverständigen erklärt haben, die ein psychologisches Gutachten erstellte. Sie konnte ihm zudem nachweisen, dass der junge Mann „eine verminderte Intelligenz aufweise“. Von seinem Ex-Freund, der mittlerweile weggezogen ist, wird er als „sehr eifersüchtig“ beschrieben. „Wenn er betrunken war, hat er mir Prügel angedroht“, sagte der Geschädigte vor Gericht aus. So endete die Beziehung bereits nach fünf Wochen.

Folge: Ein 150 000 Euro schwerer Sachschaden und zwei Bewohner mit Rauchgasvergiftung. Doch der Angeklagte zeigte sich reumütig. „Es tut mir wahnsinnig leid. Ich hoffe, du kannst jetzt damit abschließen“, sagte Heinrich M., bevor der Zeuge den Saal verließ.

Die Staatsanwaltschaft forderte für die Aktion aus „niederen Beweggründen“ eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Richter Klaus Hüttermann setzt diese zur Bewährung aus. „Eine kriminelle Energie zieht sich durch den ganzen Fall“, so der Richter. Er hoffe, keine tickende Zeitbombe vor sich zu haben. Und fügte an: „Falls wir uns irren, werden Sie die Konsequenzen tragen.“

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