Salzwedel: Anklage gegen Vater-Sohn-Duo / 213 Fälle

Prozess: Rauschgift an Minderjährige verkauft

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mfr Salzwedel. Über ein Jahr lang sollen ein 57-jähriger Salzwedeler und dessen 28-jähriger Sohn Rauschgift wie Marihuana, Amphetamine und Extasy-Tabletten an Minderjährige aus der Umgebung verkauft haben. Das Duett muss sich seit Dienstag vor einem Schöffengericht in Salzwedel verantworten.

Der 57-Jährige, der schon seit 2003 als arbeitssuchend gemeldet ist, habe sich damit teilweise seinen Lebensunterhalt finanziert, so steht es in der Anklage. Zweiter Anklagepunkt gegen den verwitweten Familienvater war das Fahren unter Alkohol. Mit rund 2,5 Promille soll er dabei mit seinem E-Bike gegen ein auf dem Kinoparkplatz abgestelltes Fahrzeug gefahren sein. Schaden: rund 500 Euro.

Bereits zu Beginn verzögerte sich die Verhandlung. Grund dafür war ein Gespräch auf Initiative der beiden Verteidiger, in dem festgelegt wurde: Sollten beide Angeklagten ein umfassendes Geständnis ablegen, würde für Vater und Sohn eine Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt. Dabei würden dem 57-Jährigen zwei Jahre und dem ebenfalls arbeitslosen 28-jährigen Sohn unter zwölf Monate blühen. „Zwei Jahre deswegen, weil eine aktivere Tatbeteiligung vorliegt“, begründete Richter Hüttermann, dem die beiden Angeklagten keine unbekannten Gesichter waren, das höhere Strafmaß.

In 213 Fällen soll der verwitwete Familienvater Drogen an Minderjährige verkauft haben. Einem Chatverlauf zufolge hatte sich der Mann dafür auch mit Sex bezahlen lassen. Doch an viele seiner jungen Kunden, die ihm namentlich genannt worden, konnte er sich nicht erinnern, was er auf Erinnerungslücken durch seinen starken Alkoholkonsum schob. Das konnte Richter Hüttermann aber nicht nachvollziehen: „Das kann ich nur schwer glauben, denn die Namen in ihrem Handy sind alles Namen, die ich kenne. Es ist das Who-is-who derjenigen, die in Salzwedel Drogen konsumieren.“

Der 28-jährige angeklagte Sohn, der bis zu einer Wohnungsdurchsuchung im Sommer 2015 mit seinem Vater unter einem Dach lebte, soll mit dem Geschäft des Salzwedelers nichts zu tun gehabt haben. „Ich habe mich, wenn es geklingelt hat, meistens eingeschlossen“, gibt er an. Das Verhältnis zu seinem Vater soll zudem gestört gewesen sein. „Ich bin oft mit Vati aneinander geraten und hab ihm auch mal eine geknallt wegen seines Alkoholkonsums.“ Der im Januar 2013 aus der Haft entlassene Mann hatte angegeben, durch seine damalige Freundin zum Rauschgift gekommen zu sein.

So habe er alle zwei Wochen Marihuana gekauft, allerdings größtenteils für den eigenen Konsum, nur selten habe er es auch an andere verkauft. Auf die Frage, woher er seine Drogen beziehe, antwortet er: „Die laufen hier doch überall herum, die erkennt man schon an den roten Augen.“ Auch sein Vater wurde bei der Angabe von Hintermännern zunächst nicht konkret. Aufgrund der Gefahr, dass er durch diese Angaben selbst Schaden erleiden könnte, stimmten die Geschworenen einer Aussage unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu.

Von den geladenen Zeugen sagten aufgrund vieler weiterer Verzögerungen lediglich drei Polizeibeamte aus. Demnach soll der 57-jährige bei seinem Zusammenprall mit dem parkenden Fahrzeug neben einer größeren Summe Bargeld auch drei Tütchen Amphetamine dabeigehabt haben. Aufgrund früherer Hinweise, die bereits zur Person des Salzwedelers bei der Polizei eingegangen waren, wurde eine Wohnungsdurchsuchung angeordnet.

Der Schaden am Auto ist bereits beglichen. Als Fortsetzungstermin nannte Richter Hüttermann den 7. Juni.

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