Von Woche zu Woche

Angeblich zu positiv über Flüchtlinge berichtet: Zeitung abbestellt

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In diesen Neubaublock an der Wasserfahrt in Klötze sollten die zwei Familien aus Afghanistan ziehen. Weil das nicht das versprochene Haus war, verweigerten sie den Einzug.

Eine Frau hat die Zeitung abbestellt, weil wir angeblich zu positiv über die Flüchtlinge schreiben. Einerseits hat das bei uns Unverständnis ausgelöst, weil wir beispielsweise über die Afghanen berichtet haben, die in Klötze nicht aus dem Bus stiegen, weil sie ein Haus und keine Neubauwohnung wollten.

Ulrike Meineke

Wir schreiben darüber, wenn Asylbewerber kriminell werden, wenn es zu Schlägereien kommt, oder auch, wenn sie aus Bismark vertrieben werden. Wir beziehen, zum Beispiel an dieser Stelle, auch Position zum Islam. Etwa dazu, dass diese Religion solange unakzeptabel bleibt, bis sie nicht reformiert ist – Stichwort Gleichberechtigung der Frau. Unter anderem. Andererseits berichten wir genauso über die positiven Beispiele. Darüber, wie sich Flüchtlinge einbringen und engagieren, wie Integration funktionieren kann. Nahezu täglich finden sich dazu Beiträge in der Zeitung, die auch das Tun all jener widerspiegeln, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren.

Diese positiven Beispiele könnten andere dazu animieren, es ebenso zu tun, damit wir in der Altmark eben nicht in einigen Jahren eine Parallelgesellschaft wie in Berlin-Kreuzberg haben. Andere zu irgendetwas zu animieren, das ist aber nicht Aufgabe von Zeitung. Wir informieren über das, was passiert. Gelegentlich beziehen wir Stellung. Ansonsten soll und muss sich jeder Leser seine eigene Meinung bilden.

Wir sind keine Parteizeitung, die wie früher in der DDR eine Meinung vorgibt, die gefälligst jeder zu haben hat. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut.

Jene Frau, die die Zeitung abbestellt hat, hat auch ihre Meinung. Sie will nicht so viel Positives über Flüchtlinge lesen. Sollten wir also nur das Negative schreiben und das Positive ignorieren? Das wäre Meinungs- und Stimmungsmache. Will sie das?

Natürlich kann man es nicht jedem recht machen. Dem einen ist zu viel Sport in der Zeitung, dem anderen zu viel Werbung. Die Mischung macht es. Auch im Fall der Flüchtlinge.

Von Ulrike Meineke

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