Von Woche zu Woche

Nur auf dem Papier ist alles schick

Manche Sachen dauern zu lange und werden in unserer schnelllebigen Zeit einfach überrollt.

„Internet in Lichtgeschwindigkeit“ heißt es auf der Homepage des Zweckverbandes Breitband Altmark (ZBA), der vor knapp zweieinhalb Jahren gegründet wurde und seither nichts Greifbares fertig gebracht hat. Viele Seiten Papier wurden beschrieben, aber nicht ein einziger Altmärker hat bis heute über den ZBA schnelles Internet bekommen.

Über Bedarfs- und Anbieterabfragen, Machbarkeitsstudien und Ausschreibungen ist einfach zu viel Zeit ins Land gegangen. Anbieter der freien Wirtschaft haben den Zweckverband sprichwörtlich überrollt.

Da nützt es auch nichts zu betonen, dass die Vergabeverfahren „komplex und aufwenig“, dass für das Projekt „viele Detailfragen“ zu klären seien und man nach Abschluss des Vergabeverfahrens „mit einer umfassenden Webpräsenz“ über weitere Schritte des Modellprojektes informieren werde. Das sind typische Beamtenfloskeln. Auf dem Papier ist alles schick.

Die Altmärker wollen nicht mehr warten. Die Region ist die einzige (!) in ganz Deutschland, wo nicht mindestens 90 Prozent der Haushalte mit 2 Mbit/s surfen. Ist das nicht traurig?

Die Stadt Salzwedel macht gerade vor, wie es gehen kann. Kabel Deutschland bietet in der Kernstadt schnelles Internet über TV-Kabel an, die Telekom will bis 2016 in 36 der 48 Ortsteile 50 Mbit/s über Glasfaser ermöglichen, Vodafone setzt auf LTE über den Feuerturm in Leetze. Da wären die Salzwedeler doch schön dumm, wenn sie da nicht zuschlagen würden? Wer will da noch warten, bis der ZBA aus den Puschen kommt? Ja, er will Glasfaser-Internet für jeden Haushalt, ein Breitbandnetz in öffentlicher Hand. Das klingt gut, aber wann kommt die „Zukunft“ auf die „Grüne Wiese“?

Die Mitglieder des ZBA sind die beiden altmärkischen Landkreise und nahezu alle Gemeinden. Die zirka 210 000 Einwohner auf einer Fläche von 4700 Quadratkilometern sollen Glasfaser bis ins Haus bekommen. Sind die Einwohner nun die Gelackmeierten, weil ihre Gemeinden auf das warten, was der ZBA bis heute nicht fertig gebracht hat? Greift man nicht lieber bei Kabel, Telekom oder Vodafone zu statt auf den Sanktnimmerleins-tag zu warten?

Salzwedel ist dem ZBA (noch) nicht beigetreten. Die SPD und die Freie Liste im Stadtrat wollen das nach wie vor. Aber warum? Weil die so genannte FTTH-Technologie zukunftssicher ist, wie Landrat Michael Ziche nicht müde wird zu betonen? Wenn dieses Argument mal nicht auch von der Zeit überrollt wird ...

Wer schnelles Internet jetzt will, wird bei freien Anbietern zuschlagen. So werden vermutlich nie genügend „Einwohner-Einheiten“ zusammenkommen, ohne die sich aber FTTH über den ZBA nicht rechnet. Der Verband ist damit beschäftigt, einen kommerziellen Betreiber für das Glasfasernetz zu finden, das diesem dann für mindestens 20 Jahre verpachtet werden soll. Ist dieser Betreiber gefunden, sollen die Städte und Gemeinde mit Glasfasernetzen erschlossen werden. Und dafür ist eine Mindestanschlussquote nötig, damit es wirtschaftlich wird. Da werden noch Jahre ins Land gehen.

Man muss wohl so ehrlich sein und zugeben, dass der ZBA von der Zeit überrollt wurde. Alles Schönreden hilft da nicht. Salzwedel hat es vorgemacht und andere Kommunen werden neidisch nachfragen, ob diese Modelle auch für sie in Frage kommen.

Von Ulrike Meineke

Rubriklistenbild: © Agenturen

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