Altmark-Klinikum kündigt Hebammen / Einheitsvertrag mit festem Team

Neue Wege bei der Geburt

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Babett Gerke (l.) und Katrin Kayser von der Praxis „Bauchgefühl“ arbeiten seit 20 bzw. 25 Jahren als Hebamme.

Salzwedel. „Die Kündigung kam als Zweizeiler ohne eine Begründung“, ärgern sich Babett Gerke und Katrin Kayser. „Zumal wir oft eingesprungen sind. “ Den beiden freiberuflichen Hebammen wurden Ende April vom Altmark-Klinikum die Verträge zum 1.

Januar 2016 gekündigt. Bisher hatten Gerke und Kayser als selbstständige Hebammen in der Praxis „Bauchgefühl“ einen so genannten Belegbettenvertrag mit dem Klinikum, um die Frauen, die sie schon in der Schwangerschaft begleitet haben, auch bei der Geburt zu unterstützen.

Das Altmark-Klinikum geht stattdessen nun einen anderen Weg – mit einem neuen, festen Team. Dieses heißt „In der Mitte“ Cammann und Partner. Ulrike Cammann, Helen Benecke, Sandra Hemstedt, Helene Dell, Isabell Köneke, Ricarda Maggi und Patricia Urban haben einen Vertrag mit der Gesundheitseinrichtung geschlossen. Sie arbeiten allerdings auch weiterhin als freiberufliche Hebammen.

Für Schwangere ändere sich nichts, verspricht die Krankenhausleitung. Rund um die Uhr soll wie gehabt mindestens eine Hebamme in der Geburtsklinik anwesend sein.

Das Kündigen der bisherigen Geburtshelfer sei nicht geplant, hatte Klinikum-Geschäftsführer Matthias Lauterbach noch im April vergangenen Jahres gegenüber der Altmark-Zeitung betont. Zu diesem Zeitpunkt war bereits angekündigt worden, dass alle Hebammen künftig mit einem einheitlichen Vertrag ausgestattet werden sollen.

Hinter der Entscheidung des Altmark-Klinikums steht der Wunsch, alle Hebammen untereinander gleichzustellen. Bisher hatten diese vornehmlich Einzelverträge. Auch die Hebammen wollten künftig zu denselben Rahmenbedingungen arbeiten, erläutert Pflegedirektorin Birgit Riehs die Angelegenheit.

„Dafür haben wir Verständnis“, sagen Babett Gerke und Katrin Kayser. Für beide war dieser Schritt jedoch unmöglich, da die Führung der Praxis mit den 24-Stunden-Schichten nicht zu vereinbaren gewesen wäre.

Gerke und Kayser hatten sich vor Jahren für die Selbstständigkeit entschieden. „Damit sind wir zeitlich zwar nicht freier, aber zufriedener“, erklärt Gerke.

Die Praxis „Bauchgefühl“ läuft weiter, allerdings können sie beide keine Geburten mehr im Altmark-Klinikum begleiten. In der Vergangenheit seien beide häufig bei Schichten eingesprungen, auch wenn es nicht nötig war, und bei Notfällen sowieso. Es sei für eine Hebamme zwar kein Problem, drei Geburten gleichzeitig zu betreuen – Gerke und Kayser sehen jedoch ein Problem, wenn eine Hebamme kurzfristig übernehmen muss. Die Geburtshelfer hätten schließlich selbst Familien oder lange Arbeitswege zum Klinikum.

„Zwar will nicht jede Frau die Hebamme selbst wählen“, so Babett Gerke. „Aber es geht um die Wahlmöglichkeit, die sie hätte, wenn sie bereits eine Vetrauensperson besitzt.“ Das Recht auf die freie Geburtswahl für Frauen sei damit eingeschränkt.

„Für die Zufriedenheit der werdenden Mütter kann es wichtig sein, dass sie die Hebamme dabei haben, die sie schon lange begleitet. Damit wird ein Monopol geschaffen und ausgenutzt“, ist Katrin Kayser verbittert.

„Wir haben nie Frauen vom Klinikum abgeworben oder zu Hausgeburten überredet“, erklärt Gerke. Das solle auch weiterhin der Fall sein.

Bis April sind beide Hebammen ausgebucht. Die Geburtsvor- und -nachbegleitung laufe weiter. Wie es mit der Geburtsbegleitung an sich künftig laufen soll, darüber haben sich Babett Gerke und Katrin Kayser noch keine Gedanken gemacht.

Von Birte Grote und Jens Heymann

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