Experte Hans-Georg Broweleit aus Gieseritz gibt Antworten / „Vielleicht eine von 10 000 Wildenten belastet“

Munitionsreste: Wie gefährlich ist Blei im jagdlichen Wildbret?

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Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält Jägerfamilien, die regelmäßig Wild verzehren und Schwangere für gefährdet.

Gieseritz / Altmark. Sind Munitionsblei-Reste im Wildbret erlegter Tiere, wie Enten, Fasane, Gänse oder auch Schalenwild gefährlich für den Menschen, der dessen Fleisch verzehrt?

Und wie gehen die altmärkischen Jäger mit dem Thema um? Diese aktuell recht kontrovers diskutierten Fragen stellte die AZ dem Gieseritzer Jagdexperten Hans-Georg Broweleit. Der Diplomingenieur ist nicht nur seit Jahren passionierter Weidmann. Broweleit hat beruflich auch seit 1980 mit Blei und speziell mit Batterien zu tun und gilt daher auch als ausgewiesener Kenner der Risiken, die mit diesem Schwermetall verbunden sind.

Hintergrund der Diskussion sind unter anderem die Vorfälle mit Bleivergiftungen bei Seeadlern und anderen Großvögeln. „Blei oxidiert im Grunde sofort und geht beim Menschen nur für kurze Zeit durch den Magen, wenn er mit Bleigeschossen erlegtes Wildbret verzehrt. Bei etwa 2,5 Kilogramm Wildbret pro Jahr ist daher eine gesundheitlich bedenkliche Belastung unwahrscheinlich“, so Broweleit. Die vom Berliner Ministerium für Landwirtschaft in Auftrag gegebene Studie für Lebensmittelsicherheit von erjagtem Wildbret kam zu dem Ergebnis, dass bleihaltige Geschosse im Vergleich mit bleifreien Geschossen mehr Blei in das Wildbret eintragen.

Aus Sicht von Jagd-Experten hat sich die Anzahl der Nachsuchen bei angeschossenem Wild sehr stark erhöht, seit bleifreie Munition zum Einsatz kam.

„Je weiter Teile vom Schusskanal entfernt sind, desto kleiner ist die Wahrscheinlichkeit, dass dort Blei enthalten ist oder nachgewiesen werden kann“, heißt es in der Studie. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält Jägerfamilien, die regelmäßig Wild verzehren sowie Schwangere für besonders gefährdet. Kritisch, so einige Forscher, sei es, wenn 50 bis 90 Mal pro Jahr Wild verzehrt wird, dass mit Bleimunition gestreckt wurde. Schäden von Gehirn und Nervensystem seien möglich, so das Institut für Risikobewertung. Die Nutzung von Verbundkern-Geschossen führe zu keinem geringeren Eintrag von Blei in das Wildbret, heißt es weiter. Hans-Georg Broweleit hält die aktuellen Forderungen nach der Einführung bleifreier Munition für Kampagnen von Lobbyisten und der Munitionsindustrie. „Das ist aus meiner Sicht auch Geschäftemacherei. Vielleicht ist eine von 10 000 mit Bleischroten geschossene Wildente belastet und darum wird jetzt solch ein Wirbel gemacht“, so der Gieseritzer. Er verfolgt die Debatte seit Monaten in den Jagdzeitschriften und glaubt: „Eher sterben die Adler, weil sie zum Beispiel in die Windräder fliegen. Wir Jäger hier in der Altmark schießen seit Jahrzehnten erfolgreich und sicher mit bleihaltiger Munition“, sagt der passionierte Weidmann.

Apropos Sicherheit: Aus Sicht von Hans-Georg Broweleit hat sich die Anzahl der Nachsuchen bei angeschossenem Wild sehr stark erhöht, seit bleifreie Munition zum Einsatz kam. „Wir jedenfalls hatten über Jahrzehnte mit Blei zu tun und bei ärztlichen Spiegelungen nie erhöhte Blutwerte“, so der Experte über „bleierne Feindbilder“.

Bezüglich der Forderungen von Naturschützern haben viele Jäger zudem den Verdacht, dass es bei dem Ruf nach bleifreier Munition wieder einmal in erster Linie gegen die Jagd an sich und erst in zweiter Linie um den Schutz des Seeadlers geht. Dazu kommt das Argument, dass über die Nebenwirkungen von alternativen Schwermetallen wie zum Beispiel Kupfer kaum etwas bekannt ist. Damit seien die Weichen für die nächste Kampagne in Sachen „bedenkliche Jagdmunition“ offenbar bereits gestellt, vermuten viele Grünröcke in Wald und Flur.

Von Kai Zuber

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